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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Die Milch und die Ernährung des Säuglings.

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Schon lange bekannt ist der hohe Eiweissgehalt der Milch amersten his dritten Tage nach der Geburt, avo insbesondere der hoheAlbumin- und Globulingehalt auch ohne quantitative Bestimmungdaran kenntlich ist, dass die Milch beim Kochen gerinnt. Diese un-mittelbar nach der Geburt secernirte Milch nennt man bekanntlichColostrum.

Hieraus ergiebt sich als praktisches Resultat, dass eine Ammeniemals die Mutterbrust vollkommen ersetzen kann, es sei denn, dassdie Amme am selben Tage geboren hat, wie die Mutter.

Was nun die auffallenden Unterschiede im Fett- und Zucker-gehalte der Milch bei den verschiedenen Säugethieren betrifft, sokönnte man vermuthen, dass hier klimatische Einflüsse dieselbe Rollespielen, welche wir bei der Ernährungsweise des Menschen in kaltenund warmen Ländern bereits kennen gelernt haben. Wir habengesehen (S. 71 u. 83), dass die Menschen instinctiv in einem kaltenKlima eine fettreiche, zuckerarme Nahrung gemessen, in einemwarmen umgekehrt eine zuckerreiche, fettarme. Dem entsprechendist auch die Milch der Thiere. die ursprünglich in einem warmenKlima lebten, reich an Zucker und arm an Fett (Kameel, Lama, Pferd,Esel), die Milch der Bewohner des Nordens dagegen reich an Fettund arm an Zucker (Rennthier). Die Zusammensetzung der Menschen-milch spricht dafür, dass die Wiege des Menschengeschlechtes ineinem warmen Erdtheile gestanden hat, und unterstützt eine An-nahme, die bekanntlich aus vielfachen anderen Gründen gemachtwird. Die Ausnahmen von dieser Regel, z. B. der hohe Fettgehaltder Milch des Elephanten, eines Bewohners des Südens, sind viel-leicht nur scheinbar. Es wäre möglich, dass der Elephant von einemBewohner des Nordens abstammt. Das Mammuth bewohnte bekannt-lich noch in der Diluvialperiode die heutige Heimath des Rennthiers.Von dort her könnte vielleicht auch der heutige Elephant nachSüden eingewandert sein und die ursprüngliche Zusammensetzungder Milch noch theilweise bewahrt haben. Eine eingehende ver-gleichende Analyse der Milch aller Säugethiere wird uns vielleichtin Zukunft ein Mittel an die Hand geben, die Schlüsse zu controliren,welche die vergleichenden Anatomen, Paläontologen, Systematikerund Thiergeographen gezogen haben.

Der hohe Fettgehalt der Milch des Delphins (Globiocephalusmelas) _ er ist 3 mal so hoch als der des Rennthieres erklärtsich aus einem doppelten Grunde. Dieser Delphin ist nicht blos

E. Pfeiffer, 1. c. P. Baumm, Die Frauenmilch. Volkmann's Sammlung klini-scher Vorträge. Nr. 105. S. 197. Leipzig. 1894. Prüscher, 1. c.