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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Achte Vorlesung.

und Kalkgehalt besonders angegeben, weil diese Stoffe sich vorzugs-weise am Aufbau der Gewebe betheiligen. Die Chloride der Alkalienhaben daneben noch eine andere Aufgabe-, sie spielen bei der Ex-cretion eine wichtige Bolle. 1 )

Zeit der Verdoppelungdes Körpergewichtes vom

100 Theile Milch enthalten:

neugeborenen

Thiere

Eiweiss

Asche

Kalk

Phosphorsäure

Mensch 180

Tage

1,6

0,2

0,328

0,473

Pferd 60

»

2,0

0,4

1,24

1,31

Eind 47

»

3,5

0,7

1,60

1,97

Ziege 19

4,3

0,8

2,10

3,22

Schwein 18

ii

5,9

Schaf 10

11

6,5

0,9

2,72

4,12

Hund 8

11

7,1

1,3

4,53

4,93

Katze 7

11

9,5

Die erwartete Gesetzmässigkeit tritt also in ganz überraschenderWeise zu Tage. Die Proportionalität würde sich vielleicht nochvollständiger herausstellen, wenn die analysirten Milchproben alleaus der Periode der ersten Gewichtsverdoppelung stammten. Mansollte für jeden Tag von der Geburt bis zur Gewichtsverdoppelungeine Milchprobe analysiren und von allen diesen Analysen den Durch-schnittswerth berechnen. Der Eiweiss- und Aschegehalt der Milchnimmt nämlich mit der Zeit der Lactation ab. Der Säugling wächstanfangs am raschesten, später immer langsamer. Darnach richtetsich die Zusammensetzung der Milch. Dasselbe Gesetz, welches wirfür die verschiedenen Säugethiere gefunden haben, gilt also auchfür die verschiedenen Entwicklungsstufen des Individuums. Auchauf diesen Zusammenhang war ich bereits durch eine im Jahre 1874veröffentlichte Milchanalyse aufmerksam geworden. In der Milcheiner Frau fand ich im ersten Monat nach der Geburt 15 p. M. Ei-weisskörper, im zehnten Monat dagegen bei derselben Frau nur9 p. M. Eiweisskörper. Auch der Aschegehalt der Milch hatte ab-genommen. 2 ) Die Abnahme des Eiweissgehaltes der Milch mit derZeit der Lactation ist auch von anderen Autoren an Menschen undThieren beobachtet und mit Zahlenreihen belegt worden. 3 )

1) Vergl. die in der vorigen Vorlesung (S. 92) besprochene TJebereinstim-mung in der Zusammensetzung der Milchasche und der Asche des Säuglings.

2) G. Bunge, 1. c. S. 316 u. 317.

3) Tb. Brunner, Pflüger's Arch. Bd. 7. S. 440. 1873. Siedamgrotzky u.Hofmeister, Mitth. a. d. ehem. physiol. Versuchsst. d. Thierarznoischule in Dres-den. 1879. H. Weiske u. G. Kennepohe, Journ. f. Landw. Bd. 29. S. 451. 1881.