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114 Siebente Vorlesung. Die anorganischen ISlahrungsstoffe. Kochsalz.
Wäre diese Auffassung richtig, so müssten wir erwarten, dassdie Wirbelthiere in ihrer individuellen Entwickelung um so kochsalz-reicher sind, je jünger sie sind. Dieses ist thatsächlich der Fall. Durchzahlreiche Analysen habe ich mich davon überzeugt, dass ein Säuge-thierembryo kochsalzreicher ist, als das neugeborene Thier, und dassdieses nach der Geburt immer ärmer an Chlor und Natron wird indem Maasse, als die Entwickelung fortschreitet. — Das natronreichsteGewebe unseres Körpers ist der Knorpel. Dieser ist zugleich dasälteste Gewebe. Es ist histologisch vollkommen identisch mit demGewebe, welches in dem Skelet der meerbewohnenden Selachier nochheutzutage während des ganzen Lebens persistirt. Das Skelet desMenschen wird bekanntlich gleichfalls ursprünglich als ein knorpeligesangelegt und schon vor der Geburt zum grössten Theil durch einknöchernes verdrängt. Teleologisch ist diese Erscheinung nicht zuerklären. Sie erklärt sich nur aus der Descendenzlehre. Man kannnicht etwa annehmen, das knorpelige Stadium müsse durchlaufenwerden, damit aus dem Knorpel der Knochen entstehe. Dieses istthatsächlich nicht der Fall. Das Knochengewebe entsteht nicht ausdem Knorpelgewebe. Der Knorpel wird vollständig resorbirt und vomPerichondrium aus wächst das Knochengewebe in den Kaum hinein,den der Knorpel einnahm. Und nun kommt hinzu, dass das ältesteGewebe, der Knorpel, zugleich auch das natronreichste ist.
Das sind Thatsachen, die eine ungezwungene Erklärung nur inder Annahme finden, dass die Wirbelthiere des Festlandes aus demMeere stammen und noch gegenwärtig im Begriffe sind, sich allmäh-lich der kochsalzarmen Umgebung anzupassen. Diesen Process derAnpassung halten wir künstlich dadurch auf, dass wir zu den Restengreifen, die unser ursprüngliches Element, die Salzfiuth, auf dem Fest-lande zurückgelassen — zu den Salzlagern.