Die anorganischen Nahrungsstoffe. Kochsalz.
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Kalkstein, Kreide, Dolomit ganze Gebirgsformationen bilden. Deshalbist das Meerwasser reich an Kochsalz, arm an Kalisalzen, die Ober-fläche des Festlandes reich an Kalisalzen, arm an Kochsalz.
Nach dem Kochsalzgehalt der Umgebung aber richtet sich derKochsalzgehalt der Organismen. Das Natron verhält sich in dieserHinsicht anders als das Kali. Das Kali ist ein integrirender, unent-behrlicher Bestandteil jeder pflanzlichen und thierischen Zelle. JedeZelle hat die Fähigkeit, auch der kaliärmsten Umgebung das nöthigeQuantum dieser Base zu entnehmen und zu assimiliren. Deshalb sindalle Meeres- und Landpflanzen reich an Kali. Das Natron dagegenscheint keine so wichtige Bolle zu spielen. Viele Pflanzen des Fest-landes enthalten nur Spuren von Natron.') Natronreich sind blos dieMeerespflanzen und die Pflanzen, welche am Meeresufer und auf deneingetrockneten Meeresbecken, den Salzsteppen, wachsen. Diese Regelhat nur wenige, scheinbare Ausnahmen. So sind z. B. die Chenopo-dium- und Atriplexarten kochsalzreich. Aber diese sind Schuttpflanzen,sie gedeihen nur auf kochsalzreichem Boden, haben ihre nächstenVerwandten unter den Bewohnern der Salzsteppe und sind selbst wahr-scheinlich von dort aus eingewandert. Von unseren Culturpflanzenist natronreich nur die Runkelrübe, gleichfalls eine Chenopodiacee;diese ist ursprünglich am Meeresstrande heimisch.
Dasselbe gilt von den wirbellosen Thieren. Auch unterdiesen sind nur die Meeresbewohner und ihre nächsten Verwandtenauf dem Festlande kochsalzreich. Die typischen Repräsentanten derFestlandbewohner, die Insekten, sind sehr arm am Kochsalz. Durcheigene Analysen habe ich mich davon überzeugt, dass sie nicht mehrNatron enthalten, als die Pflanze, die sie ernährt.
Die Wirbelthiere des Festlandes sind sämmtlich auffallendkochsalzreich trotz der kochsalzarmen Umgebung. Aber auch dieseAusnahme von der Regel ist nur eine scheinbare. Wir brauchen unsnur der Thatsache zu erinnern, dass die ersten Wirbelthiere auf unse-rem Planeten sämmtlich Meeresbewohner waren. Ist der hohe Koch-salzgehalt der jetzigen Festlandbewohner nicht ein Beweis mehr fürden genealogischen Zusammenhang, welchen anzunehmen wir durchdie morphologischen Thatsachen gezwungen werden!? Thatsächlichhat doch jeder von uns in seiner individuellen Entwickelung ein Sta-dium durchgemacht, in welchem er noch die Chorda dorsalis und dieKiemenspalten der meerbewohnenden Vorfahren besass. Warum solltenicht auch der hohe Kochsalzgehalt unserer Gewebe ein Erbstückaus jener Zeit sein?
1) G. Bunge, Liebig's Annalen. Bd. 172. S. 16. 1874.BtrNGE, Phys. Chemie. 4. Auflage.