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Siebente Vorlesung.
muss Alles über sich geduldig ergehen lassen. Ihre Misshandlungmacht sich erst fühlbar, wenn es bereits zu spät ist, die verderb-lichen Folgen zu beseitigen.
Noch möchte ich darauf aufmerksam machen, wie gering dieArbeit ist, welche bei Ernährung mit Reis den Nieren aufgebürdetwird. Nur 2 g Alkalisalze gelangen in 24 Stunden zur Ausschei-dung. Der Vorzug des Eeises, von welchem seit Jahrtausenden dieMajorität der Menschheit — Perser, Inder, Chinesen, Japanesen —sich ernährt hat, der Kartoffel gegenüber ist evident. Sollte der Eeisnicht als Krankenspeise bei Nierenleiden anzuwenden sein? Dasselbegilt von Magenleiden, denn die Kalisalze reizen heftig die Magen-schleimhaut ] ) und der Keis ist so arm daran wie kein anderes Nah-rungsmittel. —
Ich kann die Betrachtungen über das Kochsalz nicht verlassen,ohne zum Schluss noch einer Vermuthung Ausdruck zu geben, welchesich mir immer und immer wieder aufdrängt, zu deren Prüfung ichauch bereits eine Reihe mühevoller Untersuchungen ausgeführt habe,ohne dass ich es bisher gewagt hätte, mit derselben an die Oeffent-lichkeit zu treten, weil ich mir sehr wohl dessen bewusst bin, wiesehr diese Vermuthung dem Vorwurfe des Phantastischen ausgesetztist, so lange das Beweismaterial noch ein so dürftiges und lücken-haftes ist. — Ich bin der Ueberzeugung, dass der auffallend hoheKochsalzgehalt der Wirbelthiere und unser Bedürfniss nach einemKochsalzzusatz zur Nahrung eine befriedigende Erklärung nur findenin der Descendenzlehre.
Werfen wir einen Blick auf die Vertheilung der beiden Alkalien,Kali und Natron, auf der gesammten Oberfläche unserer Erde. Inunseren einleitenden Betrachtunger über den Kreislauf der Elementeerwähnte ich bereits des Kampfes der Kohlensäure mit der Kiesel-säure um den Besitz der Basen (s. oben S. 21). In diesem Kampfezeigt die Kohlensäure eine grössere Verwandtschaft zum Natron, dieKieselsäure zum Kali. Bei der Verwitterung der Silicatgesteinegeht das Natron als kohlensaures Salz in Wasser gelöst aus dem Zer-setzungsprocesse hervor und sickert mit dem Wasser in die Tiefe.Das Kali dagegen bleibt mit anderen Basen, namentlich Thonerde,an Kieselsäure gebunden als unlösliches Doppelsalz an der Erdober-fläche liegen. Gelangt das kohlensaure Natron mit den Quellen,Bächen und Flüssen ins Meer, so setzt es sich mit den Chloriden deralkalischen Erden um: es bilden sich Kochsalz und unlösliche kohlen-saure alkalische Erden, welche zu Boden sinken und allmählich als
1) G. Bunge, Zeitsehr. f. Biologie. Bd. 9. S. 130. 1873 und Pflüger's Archiv.Bd. 4. S. 277 u. 280. 1871.