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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Die anorganischen Nahrungsstoffe. Kochsalz. Kalisalze.

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Im Uebrigen muss ich hervorheben, dass die Salzmengen, die wirzu unseren Speisen hinzufügen, viel zu gross sind. Das Kochsalz istnicht blos ein Nahrungsstoff, sondern auch ein Genussmittel undverleitet, wie jedes Genussmittel, leicht zur Unmässigkeit. Ein Blickauf die Tabelle III zeigt uns, wie gering die Kochsalzmenge ist, diewir zu den meisten Nahrungsmitteln hinzuzusetzen brauchen, um dasVerhältniss der Alkalien dem in der Milch gleich zu machen. BeiErnährung mit Cerealien und Leguminosen beispielsweise würden12 g Kochsalz am Tage genügen, bei Ernährung mit Reis ein paarDecigramm. Statt dessen gemessen die meisten Menschen 2030 gtäglich und häufig noch weit mehr.

Talbelle III.

Auf 100 g Eiweiss kommen:

K,0

Na 2 0

Eeis........

Rindfleisch ......

Weizen i

Erbsen J

Frauenmilch.....

Kartoffel ......

0,2 g1

2

2-5

5-G

42

2 g0,03

0,3

0,05-0.3

12.4

0,7

Wir müssen uns die Frage vorlegen: Sind unsere Nieren wirk-lich darauf eingerichtet, so grosse Salzmengen zu eliminiren? Bürdenwir ihnen nicht eine zu grosse Arbeit auf und könnte dieses nichtschädliche Folgen haben? Bei Ernährung mit Fleisch und Brod ohneSalzzusatz scheiden wir in 24 Stunden nicht mehr als 6 bis 8 gAlkalisalze aus. Bei Ernährung mit Kartoffeln und dem entsprechen-den Zusatz von Kochsalz werden täglich über 100 g Alkalisalzedurch die Nieren getrieben. Sollte damit nicht eine Gefahr ver-bunden sein? Der Genuss alkoholischer Getränke, welcher ohnehinzu den Ursachen der chronischen Nephritis gezählt wird, hat gleich-falls unmässigen Kochsalzgenuss zur Folge 1 ), wie überhaupt eineUnnatürlichkeit und Schädlichkeit die andere nach sich zieht. Diessind Fragen, auf welche ich die Aufmerksamkeit der praktischenAerzte lenken möchte.

Kein Organ unseres Körpers wird so erbarmungslos misshandeltwie die Niere. Der Magen reagirt gegen Ueberbürdungen. Die Niere

1) Vgl. H. Keller (Bunge's Laboratorium), Zeitschr. f. physiol. Chemie.Bd. 13. S. 130 u. 134. 1839.