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Siebente Vorlesung;.
III
der Mensch und der Pflanzenfresser eine Nahrung, in welcher dasVerhältniss von Kali zu Natron gleich 4—6 Aequivalenten zu 1 Aequi-valent ausmacht, sehr wohl ertragen ohne einen Salzzusatz. Auchgiebt es viele Vegetabilien, in denen das Verhältniss nicht höherist. In dem Wiesenheu, einem Gemenge der verschiedensten Futter-kräuter, ist das Verhältniss bisweilen, wie obige Tabelle zeigt, nurgleich 3 Aequivalenten zu 1 Aequivalent. Thatsächlich nehmen vielewild lebende herbivoren Säugethiere niemals Salz auf, wie z. B. Hasenund Kaninchen. Auch den herbivoren Haussäugethieren wird invielen Gegenden niemals Salz verabfolgt. Ein lebhaftes Bedürfnissnach Salz wird bei diesen Thieren wohl auch nur erwachen bei aus-schliesslicher Ernährung mit den kalireichsten und zugleich natron-ärmsten Vegetabilien, z. B. mit Klee. Die wild lebenden Pflanzen-fresser werden es vielleicht instinctiv vermeiden, ausschliesslich vonden kalireichsten Vegetabilien sich zu nähren. Die Hausthiere aberwerden darunter leiden, wenn man ihnen sehr kalireiches Futterohne Kochsalzzusatz reicht. Ich will nicht behaupten, dass sie dabeinicht existiren könnten, aber die Erfahrung der Landwirthe lehrt,dass die Thiere mehr fressen und besser gedeihen, wenn man ihnenSalz verabfolgt, und dass bisweilen sogar deutlich nachtheilige Folgender Kochsalzentziehung zu Tage treten. ] )
Auch vom Menschen behaupte ich nicht, dass er bei vorherrschendvegetabilischer Nahrung ohne Kochsalz nicht existiren könnte. Aberwir würden, wenn wir kein Salz hätten, gegen die Aufnahme grosserMengen der kalireichsten Vegetabilien — z. B. Kartoffeln — eine Ab-neigung haben. Der Salzgenuss ermöglicht es uns, den Kreis unsererNahrungsmittel zu erweitern.
Es ist sehr beachtenswerth, dass gerade diejenigen Nahrungs-mittel, in welchen nach der Tabelle II das Verhältniss von Kali zuNatron das höchste ist — Boggen, Kartoffeln, Erbsen, Bohnen —, dievorherrschende Nahrung des europäischen Proletariats ausmachen.Die Ungerechtigkeit der Salzsteuer geht hieraus zur Evidenz hervor.Denn je ärmer ein Mensch ist, desto mehr ist er auf vorwiegendeErnährung mit den kalireichsten Vegetabilien angewiesen, destogrösser wird sein Salzconsum sein. Die Salzsteuer ist eine indirecteumgekehrte Progressivsteuer, wie sie mit allem Kaffinement nichtärger kann ersonnen werden.
1) Barral, Statique chimique des animaux, appliquee specialement ä laquestion de l'emploi agricole du sei. Paris 1850. Botjssingault, Ann. de Chim. etde Phys. Serie III. T. 22. p. 116. 1843. Demesmay, Journal des Economistes. 1849.T. 25. p. 7 et 251. Dbsaive, Ueber den vielseitigen Nutzen des Salzes in derLandwirthscliaft. Deutseh von Protz. Leipzig 1852.