Die anorganischen NahrungsstofTe. Kochsalz. Kalisalze.
sucht, bis schliesslich in einem Kapitel, wo ich es am wenigsten er-warten durfte, in einem Kapitel, welches von dem Gerichtsverfahrenhandelt, ich der Angabe begegnete, dass die feierliche Eidesformelhei diesem Volke lautet: „Dass meine Ernte verderben, mein Viehsterben und ich nie Salz gemessen möge, wenn ich nicht die Wahr-heit sage. 1 '
Wir sehen aus allen angeführten Thatsachen, dass zu allen Zeiten,in allen Welttheilen und Klimaten, unter den Repräsentanten allerMenschenrassen es sowohl Völker giebt, die Salz gebrauchen, als auchsolche, die keins gebrauchen. Das einzige Gemeinsame bei den Völ-kern, die Salz gebrauchen, bei allen sonstigen Verschiedenheiten, istnur die vegetabilische Nahrung, und das einzige Gemeinsame beidenen, die kein Salz gebrauchen, ist nur die animalische Nahrung.'Wir sehen, dass ganze Völkerschaften beim Uebergange vom Nomaden-leben zum Ackerbau anfangen, das Salz zu gebrauchen, und classumgekehrt salzgewohnte Völker, wenn sie auswandern und unter car-nivoren Völkern sich niederlassen, den Salzgebrauch verlernen. Wirsehen, dass europäische Reisende, wenn ihnen auf der Reise infremden Welttheilen der Salzvorrath ausgeht, diesen Mangel gar nichtverspüren bei animalischer Nahrung, dass sie dagegen eine „schmerz-liche Sehnsucht" nach Salz empfinden bei vegetabilischer Nahrung.Der Causalzusammenhang zwischen vegetabilischer Nahrung undKochsalzbedürfniss ist also nicht zu bestreiten. Man könnte nur nochbezweifeln, ob es wirklich der Kalireichthum der Vegetabilien ist,der dieses Verlangen hervorruft. Der Kalireichthum ist doch nichtdas Einzige, was die vegetabilische Nahrung 'von der animalischenunterscheidet. Deshalb berufe ich mich zur Begründung meiner An-sicht auf die folgende Thatsache.
Es giebt ein wichtiges vegetabilisches Nahrungsmittel, welchessehr arm ist an Kalisalzen: es ist der Reis. Der Reis enthält 6 malweniger Kali als die europäischen Cerealien (Weizen, Roggen, Gerste),10—20 mal weniger als die Leguminosen und 20—30 mal wenigerals die Kartoffel. Wenn wir in Form von Reis 100 g Eiweiss auf-nehmen, so nehmen wir in dieser Nahrung nur 1 g K 2 0 auf.Wollten wir aber in Form von Kartoffeln 100 g Eiweiss auf-nehmen, so müssten wir über 40 g K 2 0 mit aufnehmen. Wirmüssen daher erwarten, dass Völker, die neben ihrer Fleischnahrungvon Vegetabilien nur Reis gemessen, ein Verlangen nach Kochsalznicht haben können. Dieses ist in der That der Fall. Es wird diesesübereinstimmend angegeben von gewissen Beduinenstämmen auf derarabischen Halbinsel und von einigen Volksstämmen auf den ost-indischen Inseln.