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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Die anorganischen Nahrungsstoffe.

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Sie gehen also, wie es scheint, bei blosser Entziehung' der anorganischenSalze schneller zu Grunde wie bei Entziehung aller Nahrungsstoffe.

Fobsteb schliesst aus seinen Versuchen, dass auch das ausgewach-sene Thier bedeutender Mengen anorganischer Salze zu seiner Ernäh-rung bedarf. Gegen diesen Schluss muss der folgende Einwand erhobenwerden. Fobsteb hatte einen Unistand ganz unberücksichtigt gelassen die Bildung freier Schioefelsäure aus dem Schwefel des Eiweisses.

Das Eiweiss enthält 7 2IV2 °/o Schwefel, welche bei der Spal-tung und Oxydation des Eiweisses in die höchste Oxydationsstufe,in Schwefelsäure übergeführt werden. 80 % von dem Schwefel derNahrung erscheinen in dieser Form im Harn. Unter normalen Ver-hältnissen wird diese Schwefelsäure an die basischen Salze, welchemit jeder animalischen und vegetabilischen Nahrung aufgenommenwerden, gebunden. Die animalische Nahrung enthält basisch phos-phorsaure Alkalien, kohlensaure Alkalien und Alkalialbuminate, dievegetabilische ausserdem nochpflanzensaure" weinsaure, citronen-saure, apfelsaure u. s. w. Alkalien, welche bei der Verbrennungim Thierkörper in kohlensaure sich umwandeln. Diese Basen sättigendie aus dem Schwefel des Eiweisses sich bildende Schwefelsäure.Sind dagegen die basischen Salze bei der Darstellug der asche-freien Nahrung entfernt worden, so findet die aus dem Zerfall desEiweisses in den Geweben entstehende stärkste Mineralsäure keineBasen zu ihrer Sättigung vor, sie greift also zu den Basen, welcheintegrirende Bestandteile der lebenden Gewebe bilden, sie reissteinzelne Bausteine aus den Zellen heraus und führt zu ihrer Zer-störung. 1 ) Das scheint mir die Ursache des raschen Verendens derEoBSTEß'schen Versuchsthiere gewesen zu sein. Insbesondere findeich in dieser Annahme eine Erklärung für die auffallende Er-scheinung, dass die Hunde rascher zu Grunde gingen wie bei völli-gem Hunger. 2 )

Die Bichtigkeit dieser aprioristischen Deduction wurde vonLunik 3 ) auf experimentellem Wege geprüft.

1) Wir werden später (vgl. unten Vorles. 19) sehen, dass dem Organismusdes Hundes die Fähigkeit zukommt, sich gegen die zerstörende Wirkung freierSäuren durch Abspaltung von Ammoniak aus den stickstoffhaltigen organischenVerbindungen zu schützen. Aber diese Fähigkeit hat wie jede Fähigkeit ihreGrenze, und es ist sehr fraglich, ob das schützende Ammoniak stets gerade inden Gewebselementen zur Stelle ist, in welchen die freiwerdende Schwefelsäureihre zerstörende Wirkung entfaltet.

2) G. Bunge, Zeitschr. f. Biologie. Bd. 10. S. 130. 1874.

3) N. Lunin (Bunge's Laboratorium), Ueber die Bedeutung der anorgani-schen Salze für die Ernährung des Thieres. Diss. Dorpat 1880. Auch abgedrucktin der Zeitschr. f. physiol. Chemie. Bd. 5. S. 31. 1881.

Bunge, Phys. Chemie. 4. Auflage. 7