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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
Entstehung
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Die anorganischen Kahrungsstoft'e. Kalk. Wasser.

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normer Vorgänge in den knochenbildenden Geweben nicht assimilirtworden seien. Solange sorgfältige und zuverlässige Untersuchungenüber den Stoffwechsel rachitischer Kinder, verglichen mit dem gleich-alteriger und gleichgenährter gesunder nicht vorliegen, sind alle Spe-culationen über die Berechtigung der einen oder der anderen Theorievöllig fruchtlos.

Ebensowenig wie für die Entstehung der Bachitis ist es für dieEntstehung der Osteomalacie trotz mehrfacher experimentellerUntersuchungen bisher gelungen eine befriedigende Erklärung zufinden.')

Die vorgelegte Tabelle zeigt uns schliesslich, dass die Kuhmilchim Verhältnisse zu den organischen Nahrungsstoffen weit reicher istan anorganischen Salzen als die Menschenmilch. Dieses erklärt sichteleologisch daraus, dass das Kalb weit rascher wächst als dermenschliche Säugling. Es wird dadurch wahrscheinlich, dass derausgewachsene Organismus mit sehr geringen Salzmengen sich er-halten könnte. Was den ausgewachsenen Organismus betrifft, so ista priori überhaupt nicht einzusehen, wozu er der beständigen Zufuhrvon Salzen bedarf. Die Bedeutung der anorganischen Salze ist eineganz und gar andere als die der organischen Nahrungsstoffe. Dieletzteren dienen uns als Kraftquelle; es werden chemische Spann-kräfte mit ihnen in unsere Gewebe eingeführt, welche bei ihrerSpaltung und Oxydation in alle diejenigen Formen der lebendigenKraft sich umsetzen, welche das unseren Sinnen erkennbare Lebenausmachen. Die organischen Nahrungsstoffe nützen uns also geradedurch ihre Zersetzung. Die Notwendigkeit ihrer beständigen Er-neuerung ist nicht blos ein Erfahrungssatz: sie ist auch a prioriunmittelbar einleuchtend. Ganz anders die anorganischen Salze.Diese sind bereits gesättigte Sauerstoffverbindungen oder Chloride,die gleichfalls keine Verwandtschaft zum Sauerstoff besitzen. Eskönnen durch ihren Zerfall und ihre Oxydation keine Kräfte imKörper frei werden; sie können in keiner Weise abgenutzt und un-brauchbar werden. Wozu also die Erneuerung? Auch das Wasserverhält sich anders als die Salze. Das Wasser dient zur Ausscheidungder Endproducte des Stoffwechsels. Die Nieren können die Stick-stoffverbindungen nur in wässriger Lösung absondern. Die Diffusionder Gase in der Lunge ist nur möglich, solange die Lungenober-fläche feucht ist. Die Exspirationsluft ist mit Wasserdampf gesättigt.Die Wasserverdunstung an der Hautoberfläche spielt die wichtigste

1) H. Stilling und J. von Mering, Centralbl. f. d. med. Wissensch. 1889.S. 803. L. Gelpke,Die Osteomalacie im Ergolzthale." Basel 1891.