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Sechste Vorlesung.
Die organischen
Nahrungsstoffe. Schluss: Die organischen Phosphor-verbindungen. Das Cholesterin.
In unseren bisherigen Betrachtungen haben wir diejenigen orga-nischen Stoffe kennen gelernt, welche nach der gegenwärtigen Lehreder Physiologie für die Ernährung des Menschen erforderlich sind.Die Zahl derselben ist aber wahrscheinlich weit grösser.
Zu den unentbehrlichen organischen Nahrungsstoffen des Menschengehören vielleicht noch gewisse Phosphorveroindungen. In allenthierischen und pflanzlichen Geweben, in jeder Zelle finden sich zweicomplicirte organische Verbindungen, die sehr reich an Phosphorsind, die Lecithine und die Nucleine.
Die Lecithine sind Verbindungen, die wir uns entstanden denkenkönnen durch Vereinigung eines Moleküls Glycerin mit zwei MolekülenFettsäure (Stearinsäure, Palmitinsäure oder Oelsäure), einem MolekülPhosphorsäure und einem Molekül Cholin unter Austritt von vierMolekülen Wasser. 1 )
Das Cholin ist eine Ammoniumbase, deren Constitution genaubekannt ist. Beim Erhitzen spaltet es sich in Glycol (Aethylen-alkohol) und Trimethylamin. Die Spaltung entspricht der Synthese.Wuktz 2 ) stellte es dar durch Einwirkung von Aethylenoxyd undWasser auf Trimethylamin. Wir müssen deshalb dem Cholin dieFormel geben:
H,C
CH 2 -CH 2 -OH
H 3 C -
>NC
H 3 C/
OH
1) s. Diakonow, Centnilblatt für die med. AVissensch. 1868. Nr. 1, 7, 28.Hoppe-Seyler, Med. ehem. ünt. Hft. 2. S. 221. 1867 und Hft. 3. S. 405. 1868.Strecker, Ann. Chem. Pharm. Bd. 148. S. 77. 1868. Hcjndeshagen, „Zur Synthesedes Lecithins". Inaug.-Diss. Leipzig 1883. E. Gilson, Zeitschr. f. physiol. Chem.Bd. 12. S. 585. 1888.
2) Wurtz, Ann. Chem. Parm. Suppl. 6. S. 116 u. 197. 1868. Compt. rend.T. 65. p. 1015. 1867 und T. 66. p. 772. 1868. Vergi. Baeyer, Ann. Chem. Pharm.Bd. 140. S. 306. 1866 und Bd. 142. S. 322. 1867.