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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Werth der vegetabilischen Nahrung.

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Als Nahrungsstoff kommt die Cellulose für den Menschenkaum in Betracht. Dagegen hat sie eine andere wichtige Bedeutung:sie wirkt als mechanischer Heiz zur Beförderung der Darmperistaltik.Bei Thieren mit langem Darme ist die Cellulose aus diesem. Grundeganz unentbehrlich. Versucht man es, Kaninchen mit eellulosefreierNahrung zu füttern, so stockt die Fortbewegung des Darminhaltes,es kommt zur Darmentzündung und die Thiere gehen rasch zu Grunde.Fügt man dagegen Hornspäne zur selben Nahrung hinzu, so ist dieErnährung eine ganz normale.') Die Hornspäne sind, wie Knieriemdurch besondere Versuche feststellte, absolut unverdaulich, könnenalso nur durch ihre mechanischen Eigenschaften die Holzfaser ersetzthaben. Von drei Mäusen, welche ausschliesslich mit Milch gefüttertwurden, starb eine nach 47 Tagen, wie die Section ergab, an Darm-verschlingung. 2 )

Die Section eines an Cellulosemangel zu Grunde gegangenenKaninchens ergab Folgendes:Im Magen befand sich nur Schleimund die Anfänge einer Entzündung in dem Pylorustheil; der Dünn-darm, von Schleim erfüllt, war in seiner ganzen Länge stark ent-zündet, ebenso der Blinddarm. Letzterer war stark mit Koth an-gefüllt, der die Consistenz eines Glaserkittes besass, fest an denWandungen und den Falten des Blinddarmes haftete. Vergleichtman den Inhalt des Blinddarmes eines normal gefütterten Kaninchensdamit, so ist der Unterschied in die Augen springend: es ist dieMasse in dem Blinddarme ziemlich locker, sie fällt beim Rückbiegendes Darmes fast vollständig ab, und diese lockere Consistenz wirdnur durch die Bohfaser veranlasst, es wird dadurch die Communi-cation zwischen dem After und dem Magen offen gehalten, währendhei dem verendeten Versuchsthiere eine solche kaum bestehen konnte." 3 )

Der kurze Darm des Fleischfressers bedarf eines mecha-nischen Beizmittels für die Peristaltik nicht. Der Darm des Menschenhat bekanntlich eine mittlere Länge. Das Leben des Menschen wirddaher durch Entziehung der Cellulose nicht direct gefährdet, wohlaber könnte auch bei ihm die normale Dannbewegung dadurch beein-trächtigt werden. Die Darmmusculatur atrophirt wie jeder andereMuskel, wenn ihm keine Arbeit aufgebürdet wird. Wir werdendeshalb auch bei der Ernährung des Menschen darauf zu achtennahen, dass die Nahrung nicht zu arm an Holzfaser sei. Die in den

1) Kxieriem, 1. c. S. ü und 1719.

2) N. Lünin (Bunge's Laboratorium), Ueber die Bedeutung der anorganischenSalze für die Ernährung des Thieres. Diss. Dorpat 1880. S. 15. Auch abgedrucktin der Zeitschrift f. physiol. Chemie. Bd. 5. S. 37. 1881.

3) Knieriem, 1. c. S. 17.

Bunge, Phys. Chemie. 4. Auflage. 0