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Werth der vegetabilischen Nahrung
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wachsenen besser ertragen wird als von Kindern. Die Kinder habeneinen eiweissreichen Organismus aufzubauen. Der Erwachsene hatnur den vorhandenen Vorrath zu behaupten und verrichtet seineMuskelarbeit mit den Kohlehydraten, von denen mit der Kartoffel-nahrung ein Ueberfluss eingeführt wird. Die grauenhafte Kinder-sterblichkeit im Proletariat ist vielleicht zum grossen Theil auf dieEiweissarmuth der Nahrung zurückzuführen.
Am eiweissreichsten unter den wichtigeren vegetabilischen Nah-rungsmitteln sind die Leguminosen. Mit diesen lässt sich beigeeigneter Zubereitung das Stickstoffgleichgewicht behaupten. Daslehren die Selbstversuche Woboschilohf's 1 ), welcher sich 30 Tagelang ausschliesslich von Erbsen, Brod und Zucker nährte, dabeitäglich 1—3 Stunden hindurch in jeder Stunde 8528 Kilogrammo-meter Arbeit verrichtete und dennoch kein Eiweiss von seinemKörper verlor. Auch die Versuchsperson Rubnek's 2 ) erhielt sich beider Ernährung mit Erbsen im Stickstoffgleichgewicht.
Wenn die ausschliesslich vegetabilische Nahrung sich alsunzureichend erweist, so liegt dieses vielleicht weniger an der Ei-weissarmuth als an der Fettarmuth. Ein Blick auf die Tabelle V(S. 75) zeigt uns, dass bei Ernährung mit Leguminosen und Cerealiendas Verhältniss der Kohlehydrate zum Eiweiss dasselbe sein würdewie in der Milch. Nur an Fett würde die Nahrung viel ärmer seinals die Milch. Hiernach lässt sich a priori erwarten, dass mit Cerea-lien und Leguminosen unter Zusatz von Fett — vielleicht auch mitCerealien und Fett allein — ein Mensch sehr gut bestehen könnte.Die Milch ist die normale Nahrung für den Säugling, nicht für denErwachsenen- Der Erwachsene braucht — wie ich soeben ausein-andergesetzt habe — relativ weniger Eiweiss und relativ mehr Kohle-hydrate. Deshalb können wir a priori erwarten, dass das Verhältnissdes Eiweisses zu den Kohlehydraten, wie es in den Cerealien sichfindet, für die Ernährung des Erwachsenen gerade das normale ist,und dass diese Nahrung nur eines Fettzusatzes bedarf. GeAvisse Er-fahrungen scheinen diese Annahme zu bestätigen. Die ländlichenArbeiter in einigen Gegenden Bayerns sollen sich ausschliesslich vonSpeisen nähren, die aus Mehl und Schmalz bereitet werden, und dabeidie schwerste Arbeit leisten. 3 ) Würde bei dieser Ernährungsweise
1) WoKOSCHlLOFF, 1. C.
2) Rubneb, 1. c. Bd. 16. S. 125. 1880.
3) H. Ranke, Die bayer. Landwirtschaft in den letzten 10 Jahren. Fest-gabe u. s.w. S. 160. München 1872. Liebig, Sitzungsber. d. bayer. Akad. II. S. 463.1869. Reden und Abhandlungen S.121. Vgl. auch Ohxmdxleb, Zeitschr. f. Biolog.ß d. 20. S. 393. 1884.