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Fünfte Vorlesung.
Nahrung
UnresorbirtesEiweiss in Pro-centen des auf-genommenen
Autor
Kleienbrod.........
4042,3
45,4
53,5
Strümpell
MeyerHtjldgren undLandergren *)
Hofmann 2 j
Linsen, Kartoffeln und Brod . . .
Wenn man die vorliegende Tabelle mit den Tabellen III und IVvergleicht, so könnte es kaum möglich erscheinen, dass ein Menschin Form von Vegetabilien die zur Behauptung des Stickstoffgleich-gewichtes erforderliche tägliche Menge von wenigstens 100 g Eis-weiss aufnimmt. Besonders ungeeignet erscheint die Kartoffel.Um in dieser Form 100 g Eiweiss in den Magen einzuführen,müssten wir 5 kg Kartoffeln verzehren. Um aber 100 g Eiweisszur Eesorption gelangen zu lassen, müssten wir mehr als7 kg Kartoffeln bewältigen. Englische Statistiker geben in der Thatan, dass die irischen Arbeiter, die sich vorherrschend von Kar-toffeln nähren, im Durchschnitt täglich pro Kopf 4—6 1 / 2 kg con-sumiren. Dieses erscheint kaum glaublich. Die VersuchspersonRubneb/s 3 ), „ein kräftiger Soldat, welcher, in der bayerischen Ober-pfalz zu Hause, an reichliche Kartoffelaufnahme gewöhnt war",konnte nicht mehr als 3—3V 2 kg bewältigen, obgleich ihm dieeinförmige Nahrung, in der mannigfachsten Form zubereitet, „mit Salzoder mit Butter, oder mit Essig und Oel als Salat oder auch in Formvon Schnitzen oder geröstet verabreicht wurde und obgleich derMann den ganzen Tag über ass"! Die verzehrten Kartoffeln ent-hielten nur 71,5 g Eiweiss und von diesen blieben 23,1 g unre-sorbirt, so dass der Mann sein Stickstoffgleichgewicht nicht be-haupten konnte, sondern mehr Stickstoff durch die Nieren ansschied,als vom Darm aus resorbirte, also von dem Eiweissvorrathe seinerGewebe zehrte, d. h. einem langsamen Hungertode entgegenging.Ein skeptischer Beurtheiler wird indessen dennoch die Möglichkeitzugeben müssen, dass mancher irische Arbeiter 5 kg Kartoffeln ver-zehrt und sein Stickstoffgleichgewicht behauptet. Die individuellenVerschiedenheiten sind jedenfalls sehr gross.
Hervorheben will ich noch, dass eine solche Nahrung von Er-
1) E. Hcldgren u. E. Landergren, Nordiskt Medicinikt Arkiv. 1890. S. 21.
2) Fr. Hopmann, Die Bedeutung der Fleischnahmng und Fleiscliconserven.Leipzig 1880. S. 11 u. 44.
3) Bubner, 1. c. Bd. 15. S. 146.