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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Vierte Vorlesung.

ein- oder mehrtägigem Stehen des Harnes als krystallinischer, seiden-glänzender Niederschlag ab, welcher unter dem Mikroskope ausschönen rhombischen Säulen bestehend sich zeigte. Die Analysedieser Globulinkrystalle ergab:

c . .

. . 51,9

H . .

. . 6,9

N . .

. . 16,1

S . .

. . 1,2

0 . .

. . 33,9

Schliesslich ist es G-übbeb 1 ) und Michel 2 ) gelungen, auch dasAlbumin des Blutserums in wunderschönen Krystallen darzustellen.Stellen wir nun die angeführten Eiweissformeln zusammen:

Hühnereiweiss ......... C 204 H 322 N 52 O fi

S,

Eiweiss im Hämoglobin des Pferdes . C 6S0 H 1098 N 210 O 24 ,S 2

Eiweiss im. Hämoglobin des HundesGlobulin aus Kürbissamen

^72li-^l 171-^1 94^21 4 "3^292^481 -^90 0 S3 k 2

Die sorgfältigsten und genauesten unter allen bisherigen Analysender reinsten Präparate verschiedener Eiweissarten ergeben also sehrabweichende quantitative Zusammensetzungen, insbesondere einen sehrverschiedenen Schwefelgehalt.

Eine gewisse Uebereinstimmung zeigen die Eiweisskörpersoweit man sie bisher untersucht hat in ihren Spaltungsproducten.Es scheint, dass die verschiedenen Eiweissarten aus denselben Ver-bindungen in verschiedenen Mengenverhältnissen zusammengesetztsind. Beim Erhitzen mit Barytwasser spalten sie sich unter Wasser-aufnahme in Verbindungen von meist bekannter Constitution. Diehauptsächlichsten sind Kohlensäure, Oxalsäure, Essigsäure, Ammoniak,Schwefelwasserstoff, Schwefelsäure, eine Beihe von Amidosäuren:Asparaginsäure, Leucin, Tyrosin, sowie Lysin, Lysatin u. a. Diegenannten Amidosäuren sowie Ammoniak und die Basen Lysin,Lysatin, Arginin und Histidin 3 ) treten auch beim Kochen der Eiweiss-körper mit Säuren und bei der Einwirkung von Fermenten auf.Wir werden auf diese Spaltungsproducte noch näher einzugehenhaben in der Chemie des Harns, wo wir im Zusammenhange dieZersetzung der Stickstoffverbindungen im Organismus betrachtenwollen (vgl. Vorl. 19).

1) A. Gttkber, Sitzungsber. d. phys.-med. Ges. zu Würzburg. 1894. S. 143.

2) A. Michel, Verb, der pbys.-rned. Ges. zu Würzburg. Bd. 29. Nr. 3. 1895.

3) Kossel, Sitzungsber. d. Ges. zur Beförderung der ges. Natuwissenscb.Marburg. Juli 1897. S. 5G. Dort aucb die trüberen Autoren erwähnt, die sichmit diesen Basen beschäftigt haben.