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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Die Nahrungsstoffe des Menschen. Leimgebende Substanzen.

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In den chemischen Eigenschaften den Eiweisskörpern sehr naheverwandt ist eine zweite Gruppe der Nahrungsstoffe, die leim-gebenden Substanzen. Ihre physiologische Bedeutung aber ist eineganz andere.

Die leimgebenden Substanzen bilden den Hauptbestandteil derBindegewebe, der Knochen und Knorpel und somit einen bedeutendenTheil der Nahrung des Fleischfressers und des Omnivoren.

Die Leimstoffe haben mit den Eiweissstoffen gemeinsam, dasssie gleichfalls Stickstoff- und schwefelhaltige Colloidstoffe sind undgleichfalls in zwei Modiflcationen auftreten können: in der scheinbargelösten, nicht diffundirbaren und in der geronnenen. Die Be-dingungen aber des Ueberganges aus der einen Modiiication in dieandere sind genau die entgegengesetzten. Alle Eiweisskörper ge-rinnen wie bereits erwähnt in der Siedhitze bei neutraler oderschwachsaurer Keaction und Anwesenheit von Salzen; die leimgeben-den Substanzen werden im Gegentheil unter diesen Bedingungengelöst 1 ) und beim Erkalten gerinnt wiederum die gebildete Leim-lösung. Durch Mineralsäuren werden die Eiweisslösungen gefällt,die Leimlösungen dagegen nicht. Knorpelleim wird zwar durch sehrverdünnte Mineralsäuren gefällt, durch einen Ueberschuss abergelöst, verhält sich also gerade umgekehrt wie die Globuline, welcheVon sehr verdünnter (1 p. M.) Salzsäure gelöst, von einem Ueberflussaber wiederum gefällt werden.

Wenn also die Eiweiss- und Leimstoffe unter entgegengesetztenBedingungen gelöst oder geronnen sind, so kann es uns nicht be-fremden, dass im Organismus, unter gleichen Bedingungen, die einenimmer nur in der gelösten, die anderen nur in der starren Modi-iication auftreten. Die Eiweissstoffe finden sich in unserem Körpernur in der flüssigen Modifikation. In diesem Zustande bilden sie den-Hauptbestandtheil des Blutplasmas und der Lymphe, oder sie tretenln jener eigentümlichen halbflüssigen Modiiication auf, welche allendenjenigen Gebilden gemeinsam ist, welche sich activ verhalten beiden Functionen unseres Körpers: der contractile Inhalt der Muskel-fasern, die Axencylinder der Nervenfasern, der Protoplasmaleib allerbellen, welche wir uns im lebenden Gewebe nicht als starre Bau-steine zu denken haben, sondern in lebhafter amöboider Bewegung

1) Die leimgebende Substanz der Knochen wird erst, nachdem die phosphor-sauren und kohlensauren Kalk- und Magnesiasalze mit verdünnter Salzsäure inQer Kälte extrahirt worden, durch siedendes Wasser gelöst, besonders leicht untererhöhtem Druck. Die Kalk- und Magnesiasalze scheinen an die leimgebende Sub-stanz chemisch gebunden zu sein.