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Vierte Vorlesuna
Lösung erhalten, sie bedürfen dazu der basischen Alkalisalze, sie coa-guliren beim Uebersättigen dieser mit Säuren. Dahin gehören derKäsestoff der Milch und die künstlichen Alkalialbuminate. Es giebtschliesslich Eiweissarten, bei denen die Neigung zur Coagulation sogross ist, dass sie gerinnen, sobald in den Geweben, denen sie an-gehören, das Leben erlischt. Es beruht darauf die Gerinnung desBlutes und die Erscheinung der Todtenstarre des Muskels.Ja, es scheint, dass derartige „spontan" gerinnende Albuminate injedem thierischen und pflanzlichen Gewebe, in jeder Zelle enthaltensind. Alle Eiweissarten ohne Ausnahme gehen aus der gelösten in diecoagulirte Modiflcation über durch die Einwirkung der Siedhitze beineutraler oder schwach saurer Keaction und reichlicher Anwesenheitneutraler Alkalisalze. — Dieselbe Eigenschaft zeigen, wie erwähnt, dieKieselsäure und andere Colloidstoffe.
Von den anorganischen Colloidstoffen wissen wir, dass sie nichtblos in den zwei genannten Modificationen auftreten, dass sie in derNatur noch in einer dritten Modification, in der krystalli-sirten sich finden: die Kieselsäure als Bergkrystall, die Thonerdeals Eubin, das Eisenoxyd als Eisenglanz.
Diese Thatsache berechtigt uns zu der Hoffnung, auch dieEiweiss-körper im krystallinisehen Zustande zu erhalten. Nur wenn diesesgelingt, sind Avir gewiss, chemische Individuen vor uns zu haben, undim Stande, die Zusammensetzung der verschiedenen Eiweissarten fest-zustellen und zu vergleichen. Die Analyse und Untersuchung der reinenEiweisskrystalle und ihrer sämmtlichen Spaltungsproducte würde dasFundament der ganzen physiologischen Chemie bilden.
Die Histiologen sind schon seit längerer Zeit dem krystallinischenEiweiss auf der Spur. In den Samen und Knollen gewisser Pflanzensieht man unter dem Mikroskope Körnchen abgelagert, welche dasAussehen unvollkommen ausgebildeter Krystalle haben und deshalbals Krystalloi'de oder Aleuronkrystalle bezeichnet wurden.Aehnliche Gebilde sieht man auch in dem Eidotter mancher Thiere,die sogenannten Dotterplättchen. Durch mechanische Mittel.Schütteln des zerkleinerten Materials mit Aether und anderenFlüssigkeiten, durch Schlämmen, Decantiren u. s. w. lassen sich dieseKrystalloi'de isoliren und in grösserer Menge gewinnen. Sie zeigen dießeactionen der Eiweissstoffe und zwar der zur erwähnten Gruppe derGlobuline gehörigen: sie lösen sich in Kochsalzlösung. >) Maschke-i
1) Th. Weyl, Zeitschr. f. physiol. Chem. Bd. t. S. 84. 1877. Dort findet sichauch eine Zusammenstellung der früheren Literatur.
2) O. Maschke, Botan. Zeitg. 1859. S. 411.