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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Die Nahrungsstoffe des Menschen. Begriff und Eintheilung. Eiweissstoffe. 51

Eine befriedigende, klar und scharf durchgeführte Eintheilungder Nahrungsstoffe lässt sich gegenwärtig noch nicht geben. Dazusind unsere Kenntnisse noch viel zu dürftig.

Wenn ein Stoff in unserem Körper gespalten oder oxydirt wird,so wissen wir nicht, ob die dabei frei werdende lebendige Kraft auchwirklich verwerthet wird zur Verrichtung normaler Functionen, oderob sie als überschüssige Wärme nach aussen abgegeben wird. Imletzteren Falle könnte der Stoff nicht als Nahrungsstoff bezeichnetwerden; er käme unserem Organismus in keiner Weise zu gut. Esgilt dieses zum Beispiel vielleicht vom Alkohol. Um- den normalenFunctionen zu dienen, muss ein Stoff zur rechten Zeit am rechten Ortio-einem bestimmten Gewebselemente zerfallen und verbrennen. Wirsind aber noch nicht im Stande, die Schicksale der aufgenommenenStoffe so genau zu verfolgen.

Es ist ferner zu bedenken, dass gewisse Stoffe der zweiten Gruppeindirect zum Aufbau von Gewebselementen beitragen können, indemsie die Stoffe der ersten Gruppe vor der Spaltung und Oxydationschützen. Die Bedeutung der Fette ist bald die der zweiten, bald dieder ersten Gruppe, da sie in den Geweben nicht blos als Kraftvorrathaufgespeichert sind, sondern auch in anderer Beziehung eine wichtigeBedeutung haben. Die Kohlehydrate können, wie wir sehen werden,im Thierkörper in Fette sich umwandeln und damit aus der zweitenin die erste Gruppe übertreten. Kurz die Eintheilung ist nur eineprovisorische.

Wir wollen nun die einzelnen Gruppen der Nahrungsstoffe etwaseingehender betrachten. Wir beginnen mit den Eiweissstoffen.

Die Eiweissstoffe können insofern als die wichtigsten Nahrungs-stoffe aufgefasst werden, als sie die einzigen organischen Nahrungs-stoffe sind, von denen mit Sicherheit feststeht, dass sie nicht entbehrtwerden können, dass sie durch keinen anderen Nahrungsstoff sichersetzen lassen. Sie finden sich in jedem thierischen und pflanzlichenGewebe, sie bilden den Hauptbestandtheil jeder Zelle, sie fehlen inkeinem vegetabilischen oder animalischen Nahrungsmittel.

Die in den verschiedenen pflanzlichen und thierischen Gewebenvorkommenden Eisweissarten zeigen jedoch sehr verschiedene che-mische und physikalische Eigenschaften. Es fragt sich also: Was be-zeichnen wir denn eigentlich mit dem Namen Eiweiss? Ist das über-haupt ein klarer Begriff? Was haben alle Eiweissarten mit einandergemeinsam und was unterscheidet sie von allen übrigen organischenStoffen?

Allen Eiweisskörpern gemeinsam ist erstens die Zusammensetzung

aus denselben 5 Elementen in Gewichtsverhältnissen, welche sich nicht

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