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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Erhaltung der Kraft.

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Weit schwieriger ist die Frage nach der Art des Causal-zusammenhanges zwischen Sinnesreiz und Sinnesempfindung zu ent-scheiden. Eine quantitative Beziehung hat hier zweifellos statt.Mit der Intensität des Reizes wächst die Intensität der Empfindung.Aber nach welcher Function ? Findet hier einfache Proportionalitätstatt?

Diese Frage können wir nicht entscheiden, so lange wir keinMittel besitzen, die Intensität der Empfindungen und überhauptirgend welcher psychischer Zustände und Vorgänge zu messen, undes erscheint beim gegenwärtigen Stande menschlichen "Wissens undmenschlicher Geistesgaben ganz undenkbar, dass ein solches Mitteljemals könnte ausfindig gemacht werden. 1 ) Deshalb werden wirauch die Frage nicht entscheiden können, ob die Seelenerscheinungendem Gesetze der Krafterhaltung folgen und ob sie umgesetztesSonnenlicht sind.

Als sehr wahrscheinlich muss ich es bezeichnen, dass auchzwischen Reiz und Empfindung eine Kette von Vorgängen in derLeitung und im Centralorgane eingeschaltet ist, wie zwischen Willenund Muskelaction. Ob der letzte Bewegungsvorgang, der als mittel-bare Folge des Reizes im Centrum anlangt, in die Empfindung sichumsetzt, oder ob er nur den Anstoss giebt zur Entstehung der Em-pfindung etwa aus chemischen Spannkräften oder ob hiereine ganz neue, ganz besondere Art des Causalzusammenhangesstatthat das können wir nicht entscheiden.

Dennoch ist häufig die Vermuthung ausgesprochen worden, denpsychischen Functionen entspreche ein Verbrauch an chemischenSpannkräften, an Nahrungsstoffen. Man hat sogar auf experi-mentellem Wege einen Einfluss geistiger Anstrengung auf den Stoff-wechsel, auf die Menge der ausgeschiedenen Endproducte geglaubtnachweisen zu können. Alle diese Versuche scheitern an derUnmöglichkeit, die geistige Anstrengung zu messen ja auch nurzu entscheiden, ob eine Steigerung oder eine Abnahme eintritt. EinMensch, der sich in ein dunkles Zimmer einschliesst mit dem Vorsatze,ganz unbeschäftigt zu sein, kann sich unwillkürlich geistig mehr

1) Fechner (Elemente der Psychophysik. Leipzig 1860) kommt bekanntlichausgehend von dem WEBER'schen Gesetze, dass der Reizzuwachs dem bereits vor-handenen Reize proportional wachsen muss, um einen eben merklichen Empfin-dungszuwachs hervorzurufen, zu dem Resultate, dass die Empfindungen den Loga-rithmen der Reize proportional seien. Es ist oft genug darauf aufmerksam gemachtworden, dass die der Berechnung zu Grunde gelegte Annahme, es seien die ebenmerklichen Empfindungszuwüchse einander gleich, eine völlig willkürliche ist. Hierls t nicht der Ort dazu, auf diesen Gegenstand näher einzugehen.

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