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Dritte Vorlesung.
Spannkräfte in ihr entstehen, die sich in Licht und Wärme und me-chanische Arbeit umsetzen lassen. Die Kraft, welche die Abspaltungdes Sauerstoffes in der Pflanze bewirkt, kann wiederum nichtsAnderes sein, als das Sonnenlicht. Wir wissen, dass die Pflanze nurso lange Sauerstoff abspaltet, als das Sonnenlicht sie bescheint, unddass die Menge des abgespaltenen Sauerstoffs der Intensität des Lichtesproportional zu- und abnimmt. Diese Proportionalität wurde vonWolkoff 1 ) durch folgenden einfachen Versuch nachgewiesen.
Wolkoff zählte die Gasblasen, die aus Wasserpflanzen auf-stiegen, wenn sie vom Lichte beschienen wurden. Die Lichtquellebildete eine mattgeschliffene, vom Sonnenlichte beleuchtete Glasplatte.Die Wasserpflanzen befanden sich in einem verschiebbaren Glas-gefässe, dessen Entfernung von der Lichtquelle beliebig geändertwerden konnte. Bekanntlich ist die Intensität des Lichtes demQuadrate der Entfernung vom leuchtenden Punkte umgekehrt pro-portional. Wolkoff fand nun, dass die Zahl der Sauerstoff blasenmit der Intensität des Lichtes in einfachem Verhältnisse zu- undabnahm.
Dasselbe Resultat erhielt van Tieghem 2 ) bei Anwendung irdi-scher Lichtquellen. Die Zahl der Gasblasen, die aus Wasserpflanzensich entwickelten, nahm ab mit dem Quadrate der Entfernung desKerzenlichtes.
Es unterliegt also keinem Zweifel: alle Spannkräfte der Pflanzen-stoffe sind umgesetztes Sonnenlicht. Es ist Sonnenlicht, das in demFeuer des brennenden Holzes wiedererscheint. Es ist Sonnenlicht, dasals Gasflamme, als Petroleumflamme uns bestrahlt. Dieses selbe Licht,das in diesem. Augenblicke unsere Studirstube beleuchtet — es hatbereits einmal unsere Erde beschienen vor millionen und aber mil-lionen Jahren; es hat millionen Jahre in der Erde geschlummert undkommt in diesem Moment wieder zum Vorschein. Der ganze unge-heure Kraftvorrath, der in den mächtigen Steinkohlenlagern aufge-speichert liegt, der alle Maschinen, Fabriken und Locomotiveu inBewegung setzt — er ist nur die fixirte lebendige Kraft des Sonnen-lichtes, welches einst die üppig wuchernden Pflanzen der Urweltbeschien.
Die von der Pflanze gebildeten Stoffe dienen dem Thiere zurNahrung. Der Sauerstoff, welcher in der Pflanze durch die leben-dige Kraft des Sonnenlichtes aus dem Wasser und der Kohlensäurefrei gemacht wurde, wird mit den dadurch erzeugten sauerstoffarmen
1) Al. von Wolkopf, Jahrb. f. wissensch. Botanik. Bd. 5. S. 1. 1866.
2) van Tieghem, Compt. rend. T. 69. p. 482. 1869.