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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Dritte Vorlesung.

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lebendige Kraft kann nicht verloren gehen, sie treibt den Stein weiter,sie setzt sich wieder in Spannkraft um, es wird Arbeit geleistet, derStein wiederum gehoben, bis zum anderen Ende der Röhre, bis zuden Antipoden. Jetzt ist die lebendige Kraft verbraucht, sie ist alsSpannkraft im Stein enthalten. Vermöge derselben fällt der Steinwiederum mit beschleunigter Geschwindigkeit zum Schwerpunkt derErde hin und steigt mit abnehmender Geschwindigkeit zu uns empor.Und wenn die Röhre luftleer ist, so mnss der Stein bis in alle Ewig-keit hin- und herschwingen. Von seiner Bewegung kann nichts ver-loren gehen. Ist aber Luft in der Röhre, so wird der Stein beständigeinen Theil seiner lebendigen Kraft auf die einzelnen Luftmoleküleübertragen; er wird in immer engeren Amplituden um den Schwer-punkt hin- und herschwingen und schliesslich im Schwerpunkt zurRuhe kommen. In diesem Momente ist die ganze lebendige Kraftder bewegten Masse des Steines in die lebendige Kraft der bewegtenLuftmoleküle, die wir Wärme nennen, umgesetzt. Verloren aber istnichts; es sind genau soviel Wärmeeinheiten erzeugt, als den bei derHebung des Steines vom Schwerpunkt der Erde bis zum Ende derRöhre geleisteten Kilogrammometern entsprechen.

Denselben Vorgang, wie in diesem flngirten, unausführbaren Experi-ment nur in etwas complicirterer Form, beobachten wir an jedemschwingenden Pendel. Auch das Pendel würde ewig fortschwingen,wenn nicht durch die Reibung am Aufhängepunkte und an der Luftdie lebendige Kraft der bewegten Masse in Wärme sich umsetzte.

Benutzen wir diejenige Form der lebendigen Kraft, die wir alselektrischen Strom bezeichnen, dazu, eine chemische Verbindung zuzerlegen, z. B. das Wasser in seine Elemente Wasserstoff und Sauer-stoff, so ist ein Theil der lebendigen Kraft verschwunden, aber nurscheinbar: er ist in diejenige Form der latenten Bewegung unige-wandelt, die wir als chemische Spannkraft bezeichnen und dieder Fallkraft des gehobenen Steines vollkommen analog ist. Diechemische Spannkraft ist in den getrennten Atomen aufgespeichert.Fallen sie wieder gegeneinander, so setzt sich die Fallkraft in die-jenige Form der lebendigen Kraft um, die uns als Licht und Wärmeerscheint, und die wir am Knallgasfeuer wahrnehmen. Diese ent-wickelte Licht- und Wärmemenge würde gerade hinreichen, in einerThermosäule genau so viel elektrische Bewegung zu erzeugen, als beider Zerlegung des Wassers verbraucht wurde. Verloren ist nichts.

Wir sehen also, dass die Natur einen Gesammtvorrath an be-wegender Kraft besitzt, welcher in keiner Weise weder vermehrt nochvermindert werden kann. Kommt ein Theil des Stoffes zur Ruhe, soAvird ein anderer Theil in Bewegung gesetzt. Massenbewegung wird