— 139 -
(!. Pfeilsifte aus Amerika.
Walther Raleigh, der Entdecker von Virginion, brachtezuerst im Jahre 1595 unter dem Namen Ourari ein Pfeilgift ausAmerika mit, und im Laufe der folgenden Jahrhunderte fürchteteman das amerikanische Pfeilgift mindestens so wie dasjenige derNordwe.stküste von Afrika, von welchem Seefahrer immer wiedererneut Kunde brachten. Schon bald nach seinem Bekanntwerdenin Europa wurden von der Wirkung amerikanischer Pfeilgifte dieübertriebensten Mittheilungen gemacht. So sollten z.B. bei Men-schen Raserei und, was vielleicht für die damaligen Gifte zutraf,auch Mundsperre danach eintreten. Die Spanier sparten nicht dieFolter, um von den Schützen das Geheimniss eines Gegengifteszu erlangen — vergeblich! da diese so wenig, wie wir heuteein solches kennen.
Aber man kannte schon frühzeitig nicht nur die bei pfcil-getroffenen Menschen auftretenden Symptome, sondern stellte mitdem Gifte auch Thierversuche an. Es liegen solche aus derersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts vor. De la Condaminchatte das Gift der Tceu na mitgebracht. Man fand, dass Säuge-thiere und Vögel nach der Giftbeibringung in Wunden schnell,scheinbar ohne Schmerzen, unter plötzlich eintretenderallgemeiner Paralyse starben. Das Interesse, die Bereitungsarteines so furchtbaren, zur Vergiftung von Blasrohr- und Bogen-pfeilen, sowie Lanzen benutzten Giftes kennen zu lernen, wuchs.Eigentlich gelang es erst A. v. Humboldt, welcher einer Gift-bereitung in Esmeralda beiwohnte, einige sichere Thatsachenüber das Curare (Urari, W r oorara, W T urali, Uvari, Avara)festzustellen. Line zu den Strychneen gehörige Liane sah erunter Zusatz anderer Pflanzen zu einem dicken, bitter schmecken-den Extract einkochen.
Nach ihm haben, obschon die Eingobornen, wie allenthalbenin der Welt wo Pfeilgifte bereitet werden, das Geheimniss derDarstellung ängstlich hüten, eine ganze Reihe von Reisendenmit Erfolg sich bemüht, durch botanische Identificirung die be-nutzten Bilanzen festzustellen. Dieselben variiren bei einzelnenStämmen. Dies kann nicht Wunder nehmen, da der Gebrauch