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Pfeilgift auf Yesso.
Erhalten aus dem Museum für Völkerkunde im Mai 1894. OhneNummer. Von Hrn. Ehrenreich mitgebracht.
Schon aus dem Anfang dieses Jahrhunderts wird berichtet,dass die Aino, jenes Urvolk der japanischen Inseln, sich für dieJagd vergifteter Pfeile bedienten. Sie benutzten hierfür eine ArtAconitum, angeblich Sjosinozulk in ihrer Sprache, die auf ihrerInsel reichlich wachse, und fügten demselben noch spanischenPfeffer und eine langbeinige Spinne, wahrscheinlich eine Pha-langium-Species, hinzu. Mit diesem Gifte sollten sie sicherBären, Wölfe, Seeottern u. s. w. tödten. Diese Thatsachen sindbesonders, so weit die Benutzung von Aconitum-Species in Fragekam, in der Neuzeit voll bestätigt worden. Die jungen Seiten-knollen von Aconitum japonicum, nom. vorn. „Shuruku" oder„Shurku", worden im Sommer gesammelt und bis zum Herbstim Schatten getrocknet. Die Knollen, welche wirksames Giftenthalten, werden hierbei weicher, die anderen härter. Eshandelt sich also hierbei wahrscheinlich auch noch um einenFäulnissvorgang. Die crstoren werden nach Entfernung derKinde zwischen zwei Steinen zerrieben, bis eine klebrige Masseentsteht. Weitere Zuthaten finden nicht statt. Entweder so-gleich auf die Pfeilspitze, die meist um das Gift besser zuhalten, schauflig gearbeitet ist, gestrichen, oder in Oelpapiergewickelt, hält sich das Gift 5 Monate lang wirksam. Auch inder Erde vergraben, soll es einige Zeit gehalten werden. Injedem Dorfe sind es nur einige wenige ältere Männer, welchedas Gift unter Zauberformeln, Gebeten u. s. w. für alle Jägerherstellten, weil das gute Gelingen langjährige Erfahrung er-heischte. Die Probe wurde durch Schmecken mit der Zungegemacht. Gefühlloswerden derselben für einige Secunden zeigtedie Wirksamkeit an.
Ein angeschossener Bär läuft, wie die Aino sagen, noch200 m und fällt dann um. Nur die Umgebung der Wunde wirdausgeschnitten, das Uebrige gegessen. Wird ein Aino versehent-lich angeschossen, so wird alles Vorgiftete ausgeschnitten undgewaschen, dann kommt er mit dem Leben davon 1 ).
') Scheube, Mittheil, der deutsch. Gesellsch. für Nat- u. Völkerkunde