352
Krankheiten des Digestionsapparats.
nen, kräftigenden Luft in den Hochalpen, und wenn die Milch nichtvertragen wird, können die Molken getrunken werden. Schon nachkurzer Zeit pflegt eine Steigerung der Esslust einzutreten, die Ver-dauung geht regelmässiger von Statten, es werden Speisen vertragen,welche der Kranke zu Hause nicht wagen durfte zu geniessen. DieKräfte nehmen von Tage zu Tage zu und die Kranken sind imStande, sehr beschwerliche Bergpartieen mit Leichtigkeit auszuführen.Die Heiterkeit des Geistes kehrt zurück, alle Secretionen regeln sichund an die Stelle der Schlaflosigkeit tritt ein ruhiger, erquickenderSchlaf. Wie schnell eine solche Veränderung zu Stande kommt, hatmich die Erfahrung häufig gelehrt.
Man sende solche Kranke daher nach Kreuth, Ischl, Achsel-mannstein, Interlaken, Gais, Weissbad, oder den Freundgrossartiger Naturschönheiten nach dem kalten Bade auf demRigi oder auf den Weissenstein im Canton Solothurn.
Die beste Zeit für die Kur sind die Monate Mai, Juni und Juli;doch empfehle man dem Kranken, sich vor Erkältungen zu hütenund mithin mit wanner Kleidung zu versehen.
Individuen, die schon lange Zeit an Störungen der Verdauungleiden und deren Reproduction dadurch in hohem Grade darnieder-liegt, die bedeutend abgemagert sind, bei denen eine allgemeine De-pression oder ungemeine Reizbarkeit des Nervensystems obwaltet,dürfen gar keine Mineralwasser trinken, und der Arzt hüte sich,selbst ein Eisenwasser zum inneren Gebrauche zu verordnen. Insolchen Fällen wird man die besten Erfolge von einem längerenAufenthalte in einem milden Clima mit gleichmässiger Temperaturerzfeien, indem die kalte, feuchte Witterung und der Wechsel derTemperatur die Disposition zu Erkältungen und dadurch die Magen-beschwerden steigert. Der Arzt mag hier unter den zahlreichen, obenangegebenen Orten je nach dem Wohnsitze, den Verhältnissen undder Individualität des Kranken seine Auswahl treffen.
Sowohl auf der Reise, als auch während des Aufenthalts im Aus-lande, ist die Diät der wichtigste Gegenstand, auf den solche Krankehauptsächlich ihr Augenmerk zu richten haben, und ohne welcheihnen alle anderen Mittel' wenig Erleichterung zu schaffen im Standesein werden. Eine nicht zu reizende und massige Kost ist in allenFällen anzurathen; die Qualität der einzelnen Nahrungsmittel richtetsich jedoch immer nach der Individualität. Eine solche Diät mussaber mit Beharrlichkeit und Consequenz Monate und Jahre langdurchgeführt weiden und ist der Arzt verpflichtet, den Kranken auf