Ueber Brunnenkuren
sonders eingeschärft werden, sich solche Wohnungen auszuwählen,die vor den kalten Winden geschützt liegen, freundlich eingeriehtelund gut zu heizen sind. •— In der Nähe sind bedeckte und trockene.Promenaden wünschenswert!!, die zu jeder Tagesseil und hei jederWitterung besacht werden können.
Grössere Städte, wie Wiesbaden, Baden-Baden bieten auch hin-reichende Gelegenheit zu Zerstreuungen, Vergnügungen und geistigenGenüssen, die für Manchen von hohem Belange sind, dar.
Jeder Arzt hat die Verpflichtung, den Kranken auf die Wichtig-keit der Brunnenkur aufmerksam zu machen, ihm die Gefahren eineseigenmächtigen, unvorsichtigen Gebrauchs zu schildern, aber ihmauch den Wahn zu benehmen, dass er in kurzer Zeit wunderbareWirkungen zu erwarten habe oder diese durch eine Verstärkung derDosis und Vermehrung der Bäder erzwingen könne. Er muss zumalin den Fällen, wo ihm selbst eine radicale Heilung zweifelhaft er-scheint, den Kranken mit, weiser Schonung darüber aufklären, dasser sich von der Kur nur eine Linderung und Abnahme seiner Leidenversprechen dürfe, dass aber bei eingewurzelten und hartnäckigenUebeln erst von einer mehrere Jahre hintereinander wiederholtenKur dauernde Besserung zu erwarten sei; dass er sich oft. währendund unmittelbar nach der Kur vielleicht unwohler fühlen und allekrankhaften Erscheinungen in höherem Maasse hervortreten werden,und erst die Nachwirkung eine günstige Veränderung oder vollstän-dige Heilung herbeiführe. Diese und ähnliche Winke, die dem Kran-ken ertheilt werden, sichern dem Arzte ein wohlbegründetes Ver-trauen und geben dem leidenden Patienten diejenige ruhige und vonjeder psychischen Aufregung freie Stimmung, die zum glücklichenAusgange einer jeden Brunnenkur not.hwendig ist.
Soll der letztere aber herbeigeführt werden, so ist ferner nöthig,dass der Haus- und Badearzt. Hand in Hand gehen und ohne Vor-urtheil, ohne Egoismus, aus rein wissenschaftlichem Interesse unddas Humanitätsprincip stets im Auge, sich über die einzuschlagend!;Behandlung verständigen. Zu diesem Behufe ist es nöthig, dass derArzt dem Kranken, den er ins Bad schickt, eine möglichst vollstän-dige Krankengeschichte mitgiebt, damit, der Badearzt über die Con-stitution des Patienten, die Natur und Entwicklung des Leideng, denVerlauf und alle zum Verständniss notwendigen Nebenumständcgenauen Aufschluss erhalle.
Einen bestimmten, unabänderlichen Kurplan festzustellen, vondem der Badearzt nicht abweichen soll, ist aber nicht allein für den