Druckschrift 
Handbuch der Balneotherapie : practischer Leitfaden bei Verordnung der Mineralquellen, Molken, Seebäder, climatischen Kurorte &c.
Entstehung
Seite
6
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Ueber Brunnenkuren

Kranken darauf bezügliche Verhaltungsregeln zu ertheilen. Jrn er-steren ist geringe active Bewegung, leichtere Kleidung vonnöthen,und sind die Bäder kühler zu nehmen, im letzteren niuss für warmeKleidung gesorgt, jede Erkältung durch langen Aufenthall in derAbendluft und anstrengende und erhitzende Bergpartieen oder Pro-menaden vermieden werden; auch ist alsdann ein höherer Wärme-grad beim Baden rathsam. Für die Seebäder ist der Spätsommerdie geeignetste Zeil, für die Alpenbäder die Monate August und Sep-tember, theils weil dann die. Witterung am beständigsten, Iheils weildie Quellen um diese Zeit am kräftigsten zu sein pflegen.

In der neuesten Zeit hat man in dringenden Patten im Winterdie Mineralwasser trinken und Bäder nehmen lassen und ebensogünstige Erfolge erzielt, als beim Gebrauche dieser Wässer im Som-mer, denn es ist erwiesen, dass die Heilquellen sowohl ihre physi-calischen. wie chemischen Eigenschaften in allen Jahreszeiten unver-ändert beibehalten. Gegen das Yorurtheil vieler Aerzte, dass eineBrunnenkur im Winter nicht heilsam sein könne, muss daher mitaller Entschiedenheit angekämpft werden. Man sollte nie den Früh-ling oder Sommer abwarten in Fällen, wo eine schnell unternommeneund längere Zeit fortgesetzte Brunnenkur das alleinige Rettungsmittelabgiebt und späteren dann schwer angreifbaren Leiden vorzubeugenim Stande ist. Hierzu kann sich der Arzt und der Kranke um soeher entschliessen. da an allen sehr besuchten und durch ihre Heil-kraft berühmten Orten die geeigneten Anstalten getroffen sind, umauch den Winter behaglich und vor den Unbilden der Witterung ge-schützt zubringen zu können. Wir linden daselbst heizbare Bade-räume und Wohnungen in den (last- und l'rivalhäusern. WennKranke nicht -Anstand nehmen, in Wasserheilanstalten zu überwin-tern, so wird es den Vorstellungen eines Hausarztes, dem die Familieihr Vertrauen im vollen Maasse schenkt, wohl gelingen, sie von ilcvZweckmässigkeit eines solchen Schrittes zu überführen. Ich weisssehr wohl, dass sehr oft Eamilienverhäll nisse und andere mit denBerufspflichten des Kranken eng verbundene Umstände unseren Rath-schhigen Hindernisse in den Weglegen, aber, wo es sich um die Ge-sundheit und das Leben eines Individuums handelt, werden sieh auchsolche Schwierigkeiten, wenn man nur ernstlich Hand an's Werklegt, beseitigen lassen.Ich halte es sogar für unverant Wort lieh-,sagt Heyfelder,eine durch die Umstände verlangte Brunnenkurbis zum Sommer zu verschieben, wodurch der Kranke immer verliert,indem sein Uebel an Intensität zunimmt.'' Eine wählend der kalten