Druckschrift 
Handbuch der Balneotherapie : practischer Leitfaden bei Verordnung der Mineralquellen, Molken, Seebäder, climatischen Kurorte &c.
Entstehung
Seite
5
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

im Allgemeinen. "

rali'in und die Wasscrabscheidung durch die Lungen aus; daher kannes keineswegs gleichgültig sein, ob der Arzt einem an entzündlicher

Reizung der Respirationsschleimhaut leidenden Kranken eine Mine-ralquelle verordnet, wo die Luft sehr trocken ist, oder ob er rinlRheumatismus Behaftete nach einem Kurorte sendet, dessen Atmo-sphäre mit Wasserdämpfen über die Maassen überladen ist und sodie Transpiration beeinträchtigt.

Ich habe bei jeder Heilquelle die nüthigen Angaben über dieclimatischen Zustünde des Ortes beigefügt, so weit ich mir durchBerichte und eigene Beobachtungen Kenntniss verschaffen konnte.

Die geeigneiste Zeit für eine Brunnenkur sind die Monate Juni,Juli und August; je mehr dieselben sieh vom Juli entfernen, um sokälter werden sie, auch der absolute Wassergehalt nimmt bis zumJuli zu und verringert sieh dann wieder. In den Monaten April undMai, wo die Wärme verhältnissmässig mehr als die Sättigung zu-nimmt, wird die Luft sehr trocken, und daher fähig, eine grosseMenge Dämpfe aufzunehmen. In den späteren Monaten nähert siesich schon mehr dem Saturationsptmkte und sinkt im Herbste dieTemperatur schnell, so tritt ein hoher Feuchtigkeitsgrad ein und eserfolgen Niederschläge. Die Erde bleibt daher auch an warmen Ta-gen lange feucht, und Badegäste, denen diese Feuchtigkeit nachthei-lig ist, dürfen besonders Abends sich nicht im Freien aufhalten. ImApril haben wir gewöhnlich den niedrigsten Barometerstand, dannsteigt der Barometer bis zum Octoher, behält aber im Juli undAugust fast denselben Stand bei.

Der Sommer vereinigt also mehrere therapeutisch wichtige Um-stände: eine hohe und mehr gleichmässige Temperatur, die Fähigkeitder Luft noch Wasserdampf aufzunehmen, wenngleich sie fast denSaturationspunkt erreicht hat, ihre Abkühlung durch stäte Verdunstungeiner geringen Menge Wasserdampfs und einen mit dem Vorrückendes Sommers zunehmenden Luftdruck. Der Hegen und der stärkereLuftdruck beschränken die durch die erhöhte Temperatur gesteigerteNeigung zur Scliweisserzeugung. Jedoch sind in manchen Fällen dieMonate Mai und September vorzuziehen, theils bei reizbaren Indivi-duen, denen ein hoher Wärmegrad nicht zusagt und bei mit rheuma-tischen Alfectioneu Behafteten, denen die trockene Luft zuträglicherist. Molkenkuren werden im Mai, wo die Molke heilkräftiger ist,«'inen weit besseren Frfolg haben. Weder sehr heisse noch sehrtrockene Sommer, sowie kalte und regnigte pflegen für Mineralbrun-nenkuren günstig zu sein, und in beiden Fällen hat der Arzt seinen