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2 (1892)
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376
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376 Oleum Thymi.

Oleum Thymi.

Thymianöl; Essence de thym; Thyme oil.

Aetherisches Oel der Blätter und blühenden Triebe des Thymus

vulgaris. Farblos oder nur sehr schwach röthlich, von stark gewürz-

haftem Gerüche und Geschmacke; 2 ccm des Oeles mischen sich klar

mit 1 ccm Weingeist.

Darstellung. Der grösste Theil des im Handel befindlichen Thymianöles wird inSüd-Frankreich und in Spanien aus dem frischen Kraute der wild wachsendenblühenden Pflanze durch Destillation mit Wasserdämpfen gewonnen. Geringere Mengenwerden in Deutschland, theils aus kultivirtem frischem, theils aus getrocknetem Krautedargestellt.

Chemie. Der wichtigste Bestandtheil des Thymianöles ist das Thymol C 10 H,jO,welches von dem Oele seinen Namen erhalten hat. (Näheres siehe unter Thymohou.)Es finden sich jedoch auch Oele, in denen an Stelle des Thymols das isomere CarvaerolC, 0 H, 4 O enthalten ist. In anderen sind Thymol und Carvaerol zu etwa gleichen Theilenvertreten. Letzteres scheint das Thymol stets, wenn auch manchmal nur in geringenMengen, zu begleiten. Welche Bedingungen das Auftreten des einen oder des anderenPhenols veranlassen, ist noch nicht klargestellt. Eine Reihe von Oelen, welche imLaboratorium von Schimmel & Co. untersucht wurden, zeigte ganz abweichende Zu-sammensetzung:

Aus Frankreich und Spanien bezogene Oele enthielten in verschiedenen Fällennur Carvaerol und kein Thymol. In anderen französischen Oelen hingegen fanden sichThymol und Carvaerol zu gleichen Theilen vor. Getrockneter französischer Thymianlieferte ein Oel, das neben sehr viel Thymol nur wenig Carvaerol enthielt. Währendbei der Destillation von frischem französischen, jedoch in Deutschland kultivirtemTliymiankrauto ein Oel erhalten wurde, dessen Phenol ausschliesslich aus Carvaerolbestand, wurde aus frischem, deutschem Thymiankraut ein thym ölhaltiges Oel ge-wonnen. Ausser Thymol und Carvaerol scheint in geringen Mengen noch ein drittesPhenol vorhanden zu sein, welches mit Eisenchlorid eine schmutzige grünschwarzeReaktion giebt. Als weitere Bestandtheile des Thymianöles sind zu nennen, CymolCioHi 4 , welches neben den Phenolen die Hauptmenge des Oeles ausmacht. Fernerkonnte die Gegenwart von Spuren von Estern niederer Fettsäuren des Borneols con-statirt werden. Terpene waren in einem aus getrocknetem, französischem Krautedestillirten Oele nicht nachweisbar.

Eigenschaften. Nicht rektificirtes Thymianöl ist von schmutzig rothbraunerFarbe, rektificirtes gelb, gelbroth bis hellbraun, etwas dickflüssig, von scharfemaromatischem Geschmacke und angenehm kräftigen Thymiangeruche. An derLuft und bei Lichtzutritt färbt es sich dunkler. Das spez. Gewicht ist sehrwechselnd, je nachdem das Oel aus frischem oder trockenem Kraute destillirtwurde, im Mittel etwa 0,905—0,925. Den polarisirten Lichtstrahl lenkt Thymianölschwach nach links ab.

Thymianöl löst sich in >/ 3 und mehr Raumtheilen Weingeist klar auf. Inverdünntem Weingeist ist es sehr schwer löslich und bedarf zur klaren Lösung15—30 Volumina desselben. Mit Aether, Chloroform, Amylalkohol, Benzol undPetroläther giebt es fast in jedem Verhältnisse klare Mischungen.

Das spez. Gewicht eines guten, seiner Phenole nicht beraubten und nichtmit Terpentinölzusatz destillirten Oeles liegt nicht unter 0,90. Meist ist das-selbe sogar beträchtlich höher. Es sind Oele mit dem spez. Gewichte bis 0,939beobachtet worden.

Thymianöl enthält sehr wechselnde Mengen von Phenolen, bis zu 50 Proc.Thymol oder bis 60 Proc. Carvaerol. Jedenfalls sollte ein Oel, das wenigerals 20 Proc. Phenole enthält, zu pharmazeutischen Zwecken nicht verwendetwerden.