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2 (1892)
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Oleum Anisi.

Metanethol, ebenfalls ein polymeres Anethol, vom Schmelzpunkt 132°, entstelltdurch Erhitzen eines Gemenges von Anethol und Cnlorzink.

Durch Einwirkung von salpetriger Säure auf Anethol werden die beiden Ver-bindungen Cm H 12 0 N 2 0 3 und C 10 H, 0 0 N 2 0 3 gebildet. In gleicher Weise addirt sichNitrosylchlorid an Anethol zu Anetholnitrosochlorid C 10 H, 2 ONO Cl.

Eigenschaften. Anisöl ist farblos oder von schwach strohgelber Farbe,etwas dickflüssig und von intensiv süssem, nachher brennendem Geschmack.Sein spez. Gewicht liegt meist zwischen 0,985 und 0,990. Es schmilztzwischen 15 und 19°. Je höher der Schmelzpunkt, desto besser ist natürlichdas Oel. Im geschmolzenen Zustande lässt es sich, ohne fest zu werden, be-deutend unter seinen Schmelzpunkt abkühlen. Durch Hinzufügen von etwasfestem Anethol oder durch Reiben mit einem Glasstabe erstarrt es dann plötzlichunter Wärmeentwickelung. Der Erstarrungspunkt, d. h. der höchste Stand, denein hineingestelltes Thermometer während des Erstarrens erreicht, fällt mit demSchmelzpunkte zusammen.

Bei altem Anisöl ist öfters eine mit zunehmendem Alter wachsende Er-niedrigung des Schmelzpunktes beobachtet worden. In solchen Oelen iststets Anisaldehyd und Anissäure nachweisbar, die sich durch Oxydation desAnethols bildeten, und deren Anwesenheit den Schmelzpunkt des Anisöles er-niedrigt. Die Ebene des polarisirten Lichtes lenkt Anisöl schwach nach links.Zu seiner vollständigen Lösung in Weingeist sind l l / a bis 5 Volumen desselbennöthig.

Prüfung. 1. Das spez. Gewicht liege zwischen 0,980 und 0,990.2. Der Erstarrungspunkt zwischen 15 und 19°. 3. 1 ccm Anisöl löse sich in2—5 ccm Weingeist klar auf. Nicht lösliche Antheile können aus fettem Oel,Cedernholzöl, Copaivabalsamöl bestehen. 4. Diese Lösung werde durchEisenchlorid nicht verändert (Carbolsäure?). 5. Einige Tropfen des Oelessollen sich auf einem Uhrglase bei Wasserbadwärme unter Zurücklassung nureines geringen Rückstandes verflüchtigen. (Fettes Oel, Wallrath.) 6. Ueberden Nachweis von Alkohol vergl. weiter unten. 7. Beigemengtes Stern-anis öl wird durch die vom Arzneibuch aufgeführte Geschmacksprobe erkannt.

Anwendung. Anisöl gilt als Stimulans, Stomachicum, Carminativum und leichtesAntispasmodicum, auch als Geschmackscorrigens. Es wird zu 2—4—6 Tropfen oderzu 0,1—0,15—0,25 gr gegeben, entweder in Pulvern mit Zucker oder Magnesia ver-rieben oder gelöst in Weingeist und Tinkturen. Für den äusserlichen Gebrauch ver-dünnt man es mit fettem Oele (1 : 20 bis 50). Als Salbe (1 : 10 Fett) hat man esfrüher gegen Filzläuse gebraucht. Seine Lösung in Oel oder Weingeist wurde gegenScabies empfohlen.

Das Anisöl ist ein sehr kräftiges Geschmackscorrigens, verdient aber auch alsMittel, unangenehme Gerüche zu verdecken, alle Beachtung, z. B. für Ana foelida, stinkendeSchwefelverbindungen.

Sternanisöl besteht ebenfalls grösstentheils aus Anethol und schmilzt bei 15—18°.Es enthält ausserdem nach Oswald (Archiv d. Ph. 229 [1891], 84) Safrol und Hydro-chinonäthyläther.

Zusammensetzung der ätherischen Oele. Als „ätherische Oele" be-zeichnen wir gewisse Pflanzenprodukte, welchen einige auffallende p'hysikalischeEigenschaften: Flüchtigkeit, starker Geruch und ölige Beschaffenheit, ge-meinsam sind.

Ein chemischer Begriff lässt sich mit dieser Benennung jedoch nicht ver-binden, da die ätherischen Oele keine einheitlichen Substanzen darstellen, viel-mehr sich aus Vertretern der verschiedensten chemischen Körperklassen zu-sammensetzen. Repräsentanten einer dieser Gruppen von Körpern, die sich infast allen ätherischen Oelen finden, sind die Terpene, welche besonders inneuerer Zeit die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben.

Die Terpene sind nach der Formel C 10 H ]6 zusammengesetzte Kohlenwasser-stoffe, also untereinander isomer. Die grosse Zahl der früher unter verschie-