Kreosotur
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gefeuchtet wird. — 1 ccm Kreosot und 2,5 ccm Natronlauge müssengeschüttelt eine klare, hellgelbe Lösung geben, welche sich auch beimVerdünnen mit 50 ccm Wasser nicht trübt. — Ein Raumtheil Kreosotmit 10 Raumtheilen einer mit absolutem Alkohol dargestellten Kalium-hydroxydlösung (1 = 5) gemischt, erstarre nach einiger Zeit zu einerfesten, krystallinischen Masse. — Wird 1 Raumtheil Kreosot in einemtrockenen Glase mit 1 Raumtheil Kollodium geschüttelt, so darf Gallert-bildung nicht eintreten. In 3 Raumtheilen einer Mischung aus 1 Tb eileWasser und 3 Theilen Glycerin sei Kreosot fast unlöslich. — Wird1 ccm Kreosot mit 2 ccm Petroleumbenzin und 2 ccm Barytwasser ge-schüttelt, so darf die Benzinlösung keine blaue oder schmutzige, diewässerige Flüssigkeit keine rothe Färbung annehmen.
Vorsichtig aufzubewahren.
Grösste Einzelgabe 0,2 g. Grösste Tagesgabe 1,0 g.
Geschichtliches. Das Kreosot wurde 1830 von Reichenbach entdeckt, bez.aus dem Buchenholztheer isolirt, später aber vielfach mit der Karbolsäure bez. denPhenolen des Steinkohlentheers verwechselt, bis Gorup-Bes anez (1851) undHlasiwetz (1859) die Verschiedenheit beider Substanzen einwandsfrei nachwiesen.Husemann stellte die geringere Giftigkeit dos Kreosots gegenüber der Karbolsäurefest. Der Name „Kreosot"' stammt von xokcg Fleisch und amta ich erhalte, weil demKreosot die Eigenschaft zukommt, Fleisch vor Fäulniss zu schützen. Es ist ein Be-standteil des beim „Räuchern des Fleisches" entwickelten Rauches und ein sehrwichtiger Factor für die Conservirung der geräucherten Nahrungsmittel.
Darstellung. Die Gewinnung des Kreosotes erfolgt aus dem Buchenholz-theer in ähnlicher "Weise wie diejenige der Karbolsäure (s. Band I. S. 56) ausdem Steinkohlentheer:
Buchenholztheer, welcher beiläufig etwa 5 Proc. Kreosot enthält, wird destillirt.Die übergehenden Oele werden fraktionirt aufgefangen, und die spez. schwereren alsWasser (Schweröl) mit Natronlauge behandelt. Letztere nimmt die sauren Bestand-theile (Phenole und Säuren) des Theeröls auf. Aus der geklärten Lösung werden dieSäuren und Phenole durch Schwefelsäure wieder abgeschieden. Dieses Auflösen inNatronlauge und Wiederausfällen durch Schwefelsäure wird so oft wiederholt, bis dieabgeschiedenen Antheile in Natronlauge völlig klar löslich sind. Alsdann werden sie,um Säuren und gewöhnliches Phenol (Karbolsäure) möglichst zu entfernen, mit sehrdünner Natronlauge gewaschen und einer sehr sorgfältigen fraktionirten Destillation unter-worfen. Die zwischen 200 — 220° übergehenden Antheile werden als Kreosot auf-gefangen.
Handelssorten. In den Preislisten werden unter der Bezeichnung Kreosot sehrverschiedene Substanzen aufgeführt, welche zum Theil nicht das sind, was der Name be-sagt: als Kreosotum albvm wird meist flüssige Karbolsäure bezeichnet. Sog. Kreosotumanglicum enthält ebenfalls Karbolsäure und ist nicht das Präparat des Arzneibuches.Das offieinelle Kreosot wird in den Preislisten als Kreosotum verum, bez. faginum odermit dem Zusätze „Ph. G. III." aufgeführt. Am zweckmässigsten ist es, die „MarkeHartmann und Hauers" zu verlangen, welche unbedingte Gewähr ihrer Zuverlässigkeitbietet. Die bei der Destillation des Steinkohlentheeres abfallenden sog. „Kreosotöle"enthalten kein Kreosot im Sinne des Arzneibuches, sondern höhere Homologe der Karbol-säure, namentlich Kresole C 6 H 4 (CH 3 ) OH.
Chemie. Das Kreosot ist keine einheitliche Substanz, sondern ein Ge-menge verschiedener Phenole und zwar von Guajacol, Kreosol, (Methyl-kreosol), Kresolen, Xylenolen, welche ausserdem nicht in constanten,sondern wechselnden Mengenverhältnissen zugegen sind.