Druckschrift 
2 (1892)
Entstehung
Seite
166
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

-- -. ■-

91

166

Kreosotum.

S

Richtige zu treffen leicht im Stande sein. Bezüglich der Frage, in welchen Fällen zumKeratiniren die essigsaure, in welchen die ammoniakalis che Lösung zu benutzenist, wird die Entscheidung natürlich so ausfallen, dass man stets diejenige Losung wählt,welche den medicamentösen Bestandtheil der Pillen möglichst nicht verändert.

Es wird sich daher empfehlen, die essigsaure Lösung zu benutzen bei Pillen,welche enthalten: Silbersalze, Goldsalze, Quecksilbersalze, Eisenchlorid, Arsen, Alaun,Kreosot, Salicylsäure, Salzsäure, Gerbsäure etc.

Die ammoniakalisch e Lösung dagegen bei solchen, welche Pankreatin, Trypsin,Galle, Ferrum sulfuratum, Alkalien einschliessen.

Ausserdem giebt es auch eine Anzahl chemisch neutraler Körper, bei denen esgleichgültig ist, welche Keratinlösung zur Anwendung kommt. Hierher gehört z. B.das Naphthalin.

Bevor eine Keratinlösung praktisch in Gebrauch genommen wird, ist es noth-wendig festzustellen, ob dieselbe im Stande ist, Pillen mit einem genügend schützendenUeberzuge zu versehen. Zu diesem Zwecke fertigt man nach den oben gegebenenallgemeinen Anweisungen Probepillen an, deren jede 0,05 gr Calciumsulfid (Calciumsulfuratum) enthält. Erzeugt eine solche Pille im Verlaufe einiger Stunden nach demEinnehmen keinen „ructus" (Aufstossen) von Schwefelwasserstoff, so ist der Keratin-überzug als ein probemässiger anzusehen.

Anwendung finden die Keratinpillen in allen jenen Fällen, in denen man einemedicamentöse Wirkung nicht im Magen, sondern erst im Darm zur Entfaltung bringenwill, also bei allen Medicamenten, welche die Magenschleimhaut reizen, wie Salicyl-säure, Quecksilberpräparate, solche welche die Verdauungsthätigkeit des Magensbeeinträchtigen, wie Tannin, Alaun, Bismuthnitrat, welche vom Magensaft zu unwirksamenVerbindungen zersetzt werden, wie Silbernitrat, Eisensulfid, Quecksilberjodide, fernersolche, welche man möglichst concentrirt in den Dünndarm gelangen lassen will, z. B.Alkalien, Seife, Galle und alle Wurmmittel.

Kreosotum.

Kreosot; Buchenholztheerkreosot; Kreosotum faginum; Creosote; Creasote.

Eine klare, schwach gelbliche, im Sonnenlichte sich nicht bräunende,stark lichtbrechende, neutrale, ölige Flüssigkeit von durchdringendem,rauchartigem Gerüche und brennendem Geschmacke. Spez. Gew. nichtunter 1,07. Kreosot geht beim Erhitzen grösstenteils zwischen 205 und220° über, erstarrt selbst bei — 20° noch nicht und kann mit Aether,Weingeist und Schwefelkohlenstoff klar gemischt werden, giebt abererst mit etwa 120 Theilen heissem Wasser eine klare Lösung, welchesich beim Erkalten trübt und allmählich unter Abscheidung von Oel-tropfen wieder klar wird. Die von letzteren getrennte Lösung wirddurch Bromwasser rothbraun gefällt, nimmt auf Zusatz von sehr wenigEisenchloridlösung unter Trübung eine graugrüne oder schnell vorüber-gehend blaue Färbung an und wird schliesslich schmutzigbraun unter Ab-scheidung von ebenso gefärbten Flocken. Die weingeistige Lösung färbtsich mit einer geringen Menge Eisenchloridlösung tiefblau, mit einergrösseren dunkelgrün.

1 Tröpfchen Kreosot, auf blaues Lackmuspapier gebracht, darfletzteres nicht röthen, auch wenn das Papier demnächst mit Wasser an-