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1 (1891)
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Argentum mtricum.

Prüfung. Die physikalischen Eigenschaften des reinen Silbernitrates sindvom Arzneibuche genügend charakterisirt. Eigentümlich ist dem reinen ge-schmolzenen Silbernitrat die Earblosigkeit, das strahlig krystallinische Gefügeund der Glanz der Stängelchen (mit Kalisalpeter oder Silberchlorid oder Blei-chlorid versetztes Silbernitrat verhält sich abweichend).

1. Die wässerige Lösung sei neutral, d. h. sie enthalte freie Salpetersäurenicht. Diese Forderung ist wichtig, weil Silbernitrat zur volumetrischen Silber-nitratlösung verwendet wird und hierbei freie Salpetersäure sehr störend ist. Ge-schmolzenes Silbernitrat ist in der Regel neutral, krystallisirtes reagirt in derRegel sauer.

2. Der in der wässerigen Lösung durch Salzsäure entstandene weisseNiederschlag sei in einer genügenden Menge von Ammoniakflüssigkeit klar undfarblos löslich. Eine in Ammoniak unlösliche Trübung könnte von Wismuthoder Blei herrühren, Blaufärbung würde Kupfer anzeigen.

3. Man löse 0,5 gr Silbernitrat zu 5 ccm Wasser auf. 2,5 com dieser Lö-sung versetze man mit 10 ccm verdünnter Schwefelsäure und erhitze bis zumSieden. Die Flüssigkeit darf in der Siedehitze nicht getrübt erscheinen.Eine Trübung könnte von Bleisulfat herrühren: doch betrachte man diesePrüfung immer nur als eine vorläufige und erkläre auf Grund dieser Reaktionallein niemals ein Silbernitrat als bleihaltig! Silbersulfat nämlich, welches sichunter diesen Umständen bildet, ist bei gewöhnlicher Temperatur schwer löslichund deshalb schon wiederholt unter diesen Umständen für Bleisulfat gehaltenworden.

4. Aus den anderen 2,5 ccm dieser Lösung fälle man alles Silber durchSalzsäure aus. Das Filtrat darf beim Verdunsten einen Rückstand nicht hinter-lassen. Ein solcher könnte von Alkalisalzen oder von Metallen herrühren,welche durch Salzsäure nicht ausgefällt werden. Nach dem Wortlaute desArzneibuches darf gar kein Rückstand hinterbleiben; in der Praxis wird mandamit zu rechnen haben, dass lösliche Bestandteile aus den Gläsern, demPiltrirpapier aufgenommen werden. Es wird daher stets ein hauchartiger Rück-stand hinterbleiben, nur darf derselbe nicht wägbar sein. Mit dem Zusatz derSalzsäure sei man vorsichtig, da Spuren von Silberchlorid in derselben löslich sind.

Aufbewahrung. Reines geschmolzenes Silbernitrat wird durch den Ein-fluss des Lichtes allein nicht geschwärzt. Dagegen wirken organische Sub-stanzen, z. B, Staub, reducirend auf Silbernitrat ein, was sich äusserlich durchBräunung der Stäbchen zu erkennen giebt. Diese Einwirkung erfolgt besondersschnell unter dem gleichzeitigen Einflüsse des Lichtes, bei Lichtabschluss wirdsie wesentlich verzögert. Da man nun nicht in der Lage ist, organische Sub-stanzen (z. B. Staub) mit Sicherheit von dem Silbernitrat fernzuhalten, so zieht-man — obgleich es das Arzneibuch nicht vorschreibt — den Abschluss des Lichtesvor. Besonders zu empfehlen sind als Aufbewahrungsgefässe solche aus sog.anaktinischem 1 ) Glase.

Wegen seiner physiologischen Wirkungen ist das Silbernitrat vorsichtigaufzubewahren.

Wirkung und Anwendung. Silbernitrat verbindet sich mit Eiweiss zu unlös-lichem Silberalbuminat und wirkt daher äusserlich in Substanz oder concentrirterLösung ätzend. Die Aetzung erstrockt sich jedoch nur auf die mit dem Silbernitrat inBerührung gekommenen Partien. In verdünnter Lösung wirkt es adstringirend, sekre-tionsbeschränkend, entzündungswidrig. Man benutzt es äusserlich in Substanz, conc.Lösungen als Aetzmittel, zur Beseitigung von wildem Fleisch (hier auch in Salbenform).In stark verdünnter Lösung bei Brandwunden und verschiedenen entzündlichen Zuständender Schleimhäute.

Innerlich giebt man es in Lösungen oder in Pillen bei Krankheiten des Magensoder des Darmes und gegen verschiedene Nervenkrankheiten (Epilepsie). Der dauernde

') anaktinisch aus «, «v (ohne, un-) und ttXTiv Strahl, zusammengesetzt, bedeutet:den Lichtstrahl nicht hindurchlassenu.