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1 (1884) Anorganische Chemie
Entstehung
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Einleitung. 3

Darum sind Priestley's und Scheele' s Entdeckung desSauerstoffs, des Elementes, welches zu den gewöhnlichen Ver-brennungen mit Feuererscheinung und zur Erzielung hoher Ternpe-raturen ebenso unentbehrlich ist, wie zum Athmen, und die zu-erst von Lavoisier gegebene richtige Erklärung des chemischenProcesses der Verbrennung die Säulen, welche, auf dem solidenFundament zahlreicher früherer Beobachtungen errichtet, dasstattliche Gebäude der heutigen Chemie tragen.

Wodurch unterscheiden sich nun aber die chemischen unddie physikalischen Vorgänge; welche Erscheinungen erklärt dieChemie und welche die Physik? Die Antwort ist mit wenigenWorten leicht gegeben, aber nicht ebenso leicht von denen ver-standen, welchen chemische Processe noch fremd sind.

. Chemische Vorgänge sind diejenigen, wobei dieKörper eine stoffliche Veränderung erfahren; bei denlein physikalischen Vorgängen bleiben die Substanzen, anwelchen wir Veränderungen wahrnehmen, stofflich unverändert.Was heisst das ? was haben wir unter stofflicher Veränderung zuverstehen ? Einige Beispiele mögen das Gesagte erläutern.

Eine Stange Schwefel wird beim Reiben elektrisch und ziehtSchnitzel von Papier oder von einer Federfahne an, um sie gleichhernach wieder abzustossen. Derselbe Schwefel schmilzt, wennwir ihn in einer Glasröhre erhitzen, zu einer weingelben klarenFlüssigkeit, und verwandelt sich bei noch höherer Temperatur inein rothbraunes Gas, welches äusserlich nicht die geringste Aehn-lichkeit mit dem festen gelben Schwefel besitzt. Hat nun derSchwefel durch das Reiben und durch das Schmelzen eine stoff-liche Veränderung erfahren, haben sich in diesen beiden Fällenchemische Processe vollzogen?

Nein! Die Substanz des Schwefels ist nach dem Reiben"och dieselbe wie vorher, und das Schwefelgas wie der flüssigeSchwefel stehen zu dem festen Schwefel in keinem andern Ver-hältnisse, wie das gasige Wasser, der Wasserdampf, und dasflüssige Wasser zu dem festen Wasser, dem Eise. Wir haben eshier bloss mit einer durch Wärme bewirkten Aenderung derAggregationszustände zu thun, welche so lange andauert, als dieUrsache anhält. Wie Wassergas beim Abkühlen erst wieder zullüssigem und dann zu festem Wasser wird, so verwandelt sichdas Schwefelgas, sobald die Wärmequelle entfernt wird, in flüssi-

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