4 Einleitung.
gen und zuletzt in festen Schwefel genau von den nämlichenEigenschaften, welche er vor dem Erhitzen besass.
Ganz anders, wenn wir Schwefel in einem offnen Gefässe ander Luft so stark erhitzen, dass er sich entzündet und mit blauerFlamme brennt. Auch hier verwandelt er sich ganz und gar inGas, das bekannte farblose, stechend riechende Gas des brennendenSchwefels. Versuchen wir, dasselbe abzukühlen, etwa dadurch,dass wir es durch ein mit kaltem Wasser umgebenes Gefässhindurch leiten, so werden wir vergeblich darauf warten, ausdiesem Gase wieder flüssigen oder starren Schwefel entstehen zusehen. Der Schwefel hat bei jenem Process eine die Ursache derUmwandlung überdauernde, stoffliche Aenderung erfahren; er hatsich mit dem einen Bestandtheile der Luft chemisch vereinigt unddamit eine neue andere Substanz erzeugt.
Mengen wir, durch Zusammenreiben, fein gepulverten gelbenSchwefel innig mit feinstem Pulver von metallischem Elisen, soresultirt eine graue Substanz, welche äusserlich keine Aehnlichkeitmehr hat mit den beiden Stoffen vor dem Zusammenreiben. Manmöchte glauben, dass dieses graue Pulver nicht mehr aus gelbemSchwefel und schwarzem Eisen besteht, dass vielmehr beide durchdas Reiben eine stoffliche Veränderung erfahren haben.
Man kann sich indess in diesem Falle leicht überzeugen, dassjene Mischung wirklich noch unveränderten Schwefel und Eisenenthält. Denn es lässt sich daraus durch den mechanischen Pro-cess des Schlämmens der specifisch leichtere Schwefel abtrennen,und auch das Eisen mittelst eines Magnetes daraus ausziehen, wasnicht möglich ist bei dem Producte der eigentlich chemischenVereinigung von Schwefel und Eisen.
Bereiten wir uns durch Zusammenreiben von vier Gewichts*theilen gepulvertem Schwefel und sieben Gewichtstheilen fein zer-theiltem Eisen ein inniges Gemisch, und erhitzen wir dasselbe ineiner Glasröhre mit der Gasflamme. Nach kurzer Zeit tritt in demEohre an der am stärksten erhitzten Stelle des Glases eine Feuei-erscheinung ein, das Gemisch kommt in starkes Glühen, welchesvon unten nach oben fortschreitend die ganze Masse ergreift, unddann von selbst wieder aufhört. Es fällt auf, dass in dieser hohenTemperatur von dem so flüchtigen Schwefel nichts entweicht.
Schwefel und Eisen, welche beim blossen Mischen chemischunverändert bleiben, wie wir sagen, keine chemische Affinität zu