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Die Wein-Rebe und ihre Früchte, oder Beschreibung der für den Weinbau wichtigeren Wein-Reben-Arten nach einem naturgemässen Classifikationssystem : ein Beitrag zur Naturkunde des Weinstocks
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die von dauerhafteren Holzarten gleich den Neben 80—100, manchmal über 170 Zahre. Wenn die Säume und Neben abzutteheu beginnen, werdensie ausgehauen, als Lau-und Brennholz benützt, und dann aut die oben angezeigte Weise neu angelegt."

lvenn es nun gleich wohl begreiflich itt, dats Weinptlanzungeu, selbtt unter den Zünftigeren climatifchen Verhältnifsen von Oberitalien, imGrasboden und Schatten von ftarkbelaubten Nutsbäumeu und andern Holzarten, nur wenige Futs entfernt von ttehenden Wassergräben, auf der Ebeneerzogen, weder ein vorzügliches, noch dauerhaftes Gewächs liefern können; so werden auf der andern Seite die grotsen Vortheile der Pflanzer, wegenwelcher sie dicse Art des Nebbaues seit den älteften Zeiten in jenen Gegenden unverändert beibehielten, bei dem Urtheile über dieselbe wohl indie Waagtchale zu legen seyn.

Denn nicht nur itt der Neinertrag der Menge verhältuitsmätsig grölser, als bei jeder andern Erziehungsart, indem man im Ourchtchnittvon 50 mit Ncben beplanzten Campi 100 Mottelli Wein oder nach Weekherlin*) von einem württembergitchen Morgen ant die angezeigte Weise mitNcbcn bcgränzt, —1 württembergifchen Eimer Weinertrag rechnet, während nicht nur der Loden unter den Nebenpflanzungen und das Holz der-selben zu andern ökonomitchen Zwecken sehr vortheilhaft benützt, sondern auch das Weinerzeuguits fatt ohne allen Aufwand gewonnen wird. Denndie wenigen, obenbemerkten Arbeiten verrichtet der Winzer in den Wintermonaten, wo andere Feldgetchätte ruhcn, sie sind bis zum April vollendetund dann widmet derselbe sich seinen Acckern, ohne weiter um die Neben sich zu bekümmern, bis die Zeit der Weinlese vor der Thüre itt. Auchbedarf er zu dem einfachen Getchätte kein anderes Gefchirr, als ein grötseres und ein kleineres Winzcrmetser, und zum Anbinden der Nutheneinige Sütchcl Weiden**).

Ebenso einfach, wie diese Erziehungsart, welche zwar den bemerkten örtlichen Vcrhältnitscn angemessen seyn mag, aber kür minder südlichgelegene Länder keineswegs zu empfehlen ikt, wird auch die Weinlese und Weinbereitung behandelt, worüber wir unter folgendem Abtchnitt:

Bereitung des Weins und relative öor^üge desselben für den Weinbau und Weinhandel>

noch Einiges beifügen. Nach den gedachten Mittheilungen, welche v. Martens a. a. O. gegeben hat, kangeu in den Gegenden Oberitaliens, wo derBaumweinbau bekteht, die Trauben kchon gegen die Mitte Augutts an sich zu färben; sechs Wochen kpäter beginnt die Weinlese und dauert, unein-getchränkt durch irgend eine polizeiliche Anordnung, bis gegen Ende Gctobers. Weiber und Kinder lesen die unterkten, Männer auf Leitern dieoben an den Pflanzungen hängenden Trauben. Hiebei wird ein gewöhnlicher Wagen, von welchem die Leitern abgenommen sind, mit einem, ankdemselben befeftigten, walserdichtcn Behälter in Gektalt einer Backmuldc autgettellt; in diesen Behälter, der 15—20 Moftelli hält, und auk eiuerSeite mit einem Spundloche versehen itt, werden die Trauben get'ammelt und so wie der Behälter voll ift, vor den Keller des Käufers geführt,denn der ptlanzer selbtt bedark nur weniges zu seinem Hausbrauch. Hicr tteigen zwei Männer iu den Trog hinein, und treten mit blotsen Fütsendie Trauben aus. Der rothe, sütse Mott tlietst durch das Spundloch in die untergesetzte Tinea, und wird aus dieser mit Handkübeln in geeichteEimer (Mottelli) in Anwesenheit des Käuters gefüllt, welcher jeden eingekellerten Eimer nach altrömitcher Sitte aut einem -Kerbholz uotirt. ZurErleichterung des Zähleus wird bei dem klinkten Eimer ein keiner Nebenkchnitt gemacht, welcher uuteu den Hauptkchuitt berührt, bei dem zehentenein gleicher, der aber den letzter« in der Mitte durchkchncidet; aus welcher Sitte die römikchen Zahlen entktanden sind.

Der reine Mott, nebtt den mitteltt eines hölzernen Gitters ausgedrückten Trebern, wird in die in dem Vorkeller (Oansvvn) aulgettellten,20—30 Eimer haltenden Bottiche getehüttet und so unbedeckt der Gährung überlassen. Obgleich diese ott tchon am zweiten bis dritten

Tage beginnt, so lassen doch nur wenige Verttändigere den Mott in 11—16 Tagen, andere aber ertt nach vier bis tünt Wochen, sogar ertt nachzwei Monate» ab, nachdem der obere Theil der Treber, aus welchem sich eine kette Decke bildet, bereits in Sauergährung übergegangen ikt. Dannwird jene abgenommen, aut den übrigen Theil so viel Wasser getchüttct, als die Hältte des abgelassenen Weins beträgt und nach 24 Stunden, wosich der Satt der Treber mit dem Wasser verbunden hat, der leichte, säuerlich tchmeckcude, sogenannte Keeunäo Viu (deutteh Lauer oder Leiern)abgezogen, welcher seiner Natur nach von kurzer Dauer, übrigens das gewöhnliche Getränk der Landleute und minder vermöglicher Familien itt.Die ausgedrückten Treber werden entweder zum Branntweinbrennen verwendet, oder in die Erde vertcharrt, und zum Schaattuttcr über den Winter,oder auch zum Gebrauch als Gartenerde benutzt.

Den von dcn Tinazzos abgelassenen Wein küllt man in Fätser, in welchen das obere Spundloch bis zur Vollendung der Gährung, etwa biszu Ende Novembers, okken gelassen und der ausgedünktete Wein durch Nachküllen ersetzt wird, worauk man den Ptropt eintchlägt, und mit etwasAtehe bedeckt. Zm Mai wird der Wein erttmals abgelassen, in andere Fässer vertüllt, uud die Hete zum Branntweinbrennen benützt.

Ans dieser genauen Betchrcibung dcr Erzichnugsart und der Bereitung des Weins vom Schwarzweltchen in Vberitalien wird jeder Sach-kundige von selbtt bemessen können, dats das so bereitete Erzengnits weder geittreich noch dauerhatt werden kann. Daher itt dasselbe auchgrötstcntheils aut dcn inneren Verbrauch bctchränkt und im Lande so wohlteil, dats der Mot'tello in dcr Negel nur aut 8—10 höchtteus 20 Lire(1 tl. 12 kr. im 21 tl. Futs) oder nach Weckherlin a. a. O. dcr württembergitehe Eimer aut etwa 15 tl. zu ttehen kommt.

Die von einigen italienitehen Schrittt'tcllern vorgetragene Wiedereinführung dcr Keltern würde nach unserem Erachten durchaus nichtgenügen, um die Qualität des Weins zu verbessern, eher möchtc zu rathen seyn, die Trauben so lange als möglich am Stocke zu lassen, was durehdie freie Weinlese in die Willkühr jedes Pflanzers gelegt itt; auch würde die Anwendung des oben tchon empfohlenen Natpels^bes mit gedoppeltemLoden, in Verbindung mit der Gährung in vertchlossener Lütte oder im Fasse, ohne Zweifel sehr viel zur Gewinnung eines geizigeren und dauer-haktereu Weins von dunkelrother Farbe um so mehr beitragen, als der Wein vom Sehwarzwelfchen an sich, bei gehöriger Behandlung, bekanntlichtchr lagcrhakt itt.

Das glciche Verfahren darf ohne Anftand auch für das Erzeugnifs von Trollingern in Süddeutfchland empfohlen werden, denn auch durchdic oben (II. Classe III. Ord.) angegebenen Gewichts-Verhältnisse ift nachgewiesen, dats das Gewicht des Moftes von dieser Sorte durch kpätcreLese bedeutend getteigert und ein kräftiger, gesunder, dunkelrother Wein gewonnen werden kann.

Co>rclpondc»)blatt des landwirthkchaftlichcn Vereins in tVürttcmberg von 18ZZ i Ld. S. zg.

Zn elmKtli Gcgcndcn Vberitulicus, besonders am F»lse dcr Gebirge, werden dic Neben theils an ptählcn, theils an Geländern, übrigen» immer mit «ehr lange» Schenkeln und Sögen erzogen.