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Die Wein-Rebe und ihre Früchte, oder Beschreibung der für den Weinbau wichtigeren Wein-Reben-Arten nach einem naturgemässen Classifikationssystem : ein Beitrag zur Naturkunde des Weinstocks
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S. 42 unter Anweisung ant die Resultate der angestellten vergleichenden Versuche für rothes Gewächs, ttatt des Trollingers, besonders in Niederungen,den edleren und trüher reitenden Clevner, oder tür tteile, hitzige Serge den Sehwarzurben (S. II. Classe III. Ord. Nr. 2) zu empfehlen. Aber eshietse das Unmögliche gefordert, wenn man erwartete, dats eine seit mehr als 100 Jahren bettehende, sehr verbreitete Nebsorte ant einmal alsganz verwerflich anerkannt und entfernt werden sollte, und ebenso wenig tchiene es räthlich, selbtt in die hitzigen und felsigten Massen der kalk-gebirge am Neckar, die oft nur einige Schuhe Erde zur Ueberlagerung haben, und wo die Verjüngung an sich sehr kottbar und tehwierig itt,unbedingt die Einpflanzung der Nitslinge, Traminer und Clevner zu empfehlen, bevor die Erfahrung gelehrt hat, ob diese Sorten in solchen Sergeneben so viel Dauer vertprechen, als der Schwarzweltche, dessen ftarke Wurzeln bekanntlich tief in jede Felsenritze eindringen, so dats selbft beitrockenen Jahren der Stock von der Einwirkung der Sonnenhitze nicht in dem Grade nothleidet, wie minder üppige Nebsorten.

Die Geselltchaft wird daher auch künftig, ohne sich durch ciuseitige Urtheile ftören zu lassen, den Plan, den sie sich vorgesetzt hat, umso mehr verfolgen, als sie neuerlich mit allem Grunde auf einen guten Erfolg ihrer Bemühungen, auch bei der Classe der Weingärtner von pro-fession, hoffen darf.

v. Erziehnngsart.

Die Sorten der sogenannten Schwarzweltchen ertragen, wegen ihres üppigen Wuchses, keine niedere Erziehnngsart und werden daher inWeinbergen in der Negel ant Schenkeln mit drei bis vier Sögen zu sieben bis acht Augen erzogen.

In Atsmannshauseu kommt übrigens auch die oben betchriebene Nheingauer Erziehnngsart bei denselben in Anwendung. Aus dem angegebenenGrunde itt eine weite Settoekung von wenigttens 4^ im «Quadrat eine wesentliche Bedingung ihres Gedeihens und der besseren Zeitigung ihrerFrüchte. Wird der Trollinger in tteinigen oder tchweren Soden gepflanzt, so itt es räthlich, ftatt der Sehnittlinge, ttarke und gesunde Wurzelrebenfür neue Anlagen auszuwählen, und ältere Stöcke öfter durch das Einlegen (Vergruben) zu verjüngen. Auch mütscn die köpfe der jungen Stöckesorgfältig offen gehalten werden, indem solche sontt, wenn man (nach der Winzertprache) den üopt zulaufen lätst, kein Holz mehr treiben, uud derHolztrieb dann nicht mehr, ohne Gefahr für die Nebe selbft, durch das Abwerfen erzwungen werden kann. Gleiche Vorsicht ift bei dem Auslaubenund Anheften zu empfehlen, weil die Trauben, gegen die Zeitigungsperiode hin der Sonnenhitze ausgesetzt, leicht den sogenannten Srenner bekommenund verdorren.

Da der TroUinger, wie oben bemerkt, sehr empfindlich gegen den Wintertroft ift, so wird solcher in Württemberg in der Negel entwedermit Erde, oder, wie am untern Neckar, durch Niederlegen der Nuthen mit Steinen, bezogen, in welch' letzterem Falle der Kopf der Nebe gewöhnlichnoch mit etwas Dünger bedeckt wird. Oefterer Wechsel der gewöhnlichen Sesserung mit Viehdünger und dem Uebertragen der hoehliegenden Wein-berge mit mergelhaltigem Grunde ift den Trollinger-Pflanzuugen besonders zuträglich, und zu ihrer längeren Dauer nothwendig.

Für Spaliere und Lauben an sonnigen Plätzen ift der ftarke Holzwuchs des Trollingers und Gänsetüsslers vorzüglich geeignet; seine Nebe,welche hier oft ein Alter von mehr als 100 Jahren uud am Stamme nicht selten einen Durchmesser von vier bis sechs Zoll erreicht, gewährt untersorgfältiger Pflege, selbtt im hohen Alter, noch einen sehr reichen Ertrag.

Diese gute, durch italienitchcs Clima begünttigte Eigentchakt, verbunden mit anderen berücksichtigungswerthen landwirthtchattlichen Verhält-nissen mag dazu beigetragen haben, dats die oben gedachte besondere Erziehungsart, der Saumweinbau, sich nicht nur in Vberitalien, sondern auehtheilweise in anderen italiemtchcn Provinzen, namentlich in der Gegend von Neggio und Modena, noch tatt ganz so erhalten hat, wie solche Colnmellain dem tüntten Suche VI. Abtchnitt seiner Schritt über die Landwirthtchatt vollständig betehreibt. Ueber diese eigenthümliche Erziehungsart ant demFettlande von Venedig giebt v. Mariens in seiner ott gedachten Neisebetchreibung eine sehr anziehende Darttellnng, ans welcher wir Folgendes

ausheben.

„Die Wein-, Frncht- und Holzkultur ttehen in jener weiten Ebene mit einander in engtter Verbindung. Man sieht weit und breit keinenWald, keine eigentliche Weingärten, aber die ganze Fläche itt, soweit das Auge reicht, Fruchtkeld, Wald und Weingarten zugleich. Das meitt mitHirsen, Suchwcizen, Woltsbohnen n. s. w. beptlanzte Fruchttcld itt in längliche Vierecke abgetheilt, welche von Norden gegen Süden liegen, und meittens300 paduanitche Futs Länge und 100 Futs Sreite haben. Am tchmalen Ende betindet sich ein sechs Futs brcitcr Streiten, welcher zugleich als Wegund Wasserabzugsgraben dient. Auf der weltlichen und öttlichen Seite wird jede Feldabtheilung von der angrenzenden durch einen Zwitchenraumgetrennt, welcher mit einer Neihe Säume und Neben bepflanzt itt. Jene, wozu in der Negel Nutsbäume, Ulmen und Etchen (in andern Provinzenauch Ahorn, Lurtchen und Maulbeerbäume), in natsen Feldern aber Pappeln oder Weiden gewählt werden, werden eilt bis zwölt Futs von einandergeptlanzt. An der Südseite eines jeden Saumes, —2 Futs entkernt, setzt man dann drei bis vier Nebttöeklinge einige Zoll von einander, in einegrotse, mit altem Mitt, Schutt und taub gedüngte Grube. Diese Stecklinge sind zwei bis drei Futs lang, und haben ein vier bis sechs Zoll langesCwerttück alten Holzes, in Gestalt einer Krücke. Sie kommen zu "/z ihrer Länge senkrecht in den Soden, so dats nur zwei Augen hervorttehen.Sis zum dritten bis vierten Jahre bleiben sie so unberührt; ertt im vierten, oder besser im fünften Jahre werden sie am Soden abgetchnittcn, undzugleich die ttärkeren durch abgebrochene Saumätte an den Saumttamm hinautgebunden, damit sie sich an diesem hinautschlingcn. Zugleich wirdder neugeptlanzte Saum sechs bis sieben Futs vom Soden abgehauen, damit er sich verätte und nicht zu hoch wcrde. Im tüntten Jahre werden vondenjenigen jungen N^en, welche in einem Sommer bis zu einer Länge von 15—20 Futs am Saume hiuautgerankt sind, sieben bis acht der nahean einander ttehenden ausgewählt, der ganzen Länge naeh von allen, bei dem zweiten Triebe angewachsenen Seitenzweigen gereinigt, und die äntserevertroeknete Spitze abgetehnitten, woraut dann jene nach und nach zu den Naehbarbäumen, und zwar alle Jahre um etwa einen halben Futs höher,hinaufgezogen werden, bis der Stamm der Nebe in zehn bis eilt Jahren die Höhe von sechs Fufs erreicht, in welcher auch der Saum sich in Aetlentheilt. Sei den jüngeren Neben kommen die Zweige des einen Stammes mit den benachbarten ant halbem Wege zntammen, bei älteren reichen sie biszum Nachbarbaume und werden kreuzweise an einander betettigt. So entttehen zierliche Fettons, welche besonders im Herbtte, mit purpurtarbenen Traubenbeladen, einen reizenden Anblick gewähren. Sei den erttarkten Neben, welche ott armsdicke Stämme haben, lätst man 30—40 Zweige ttehen, undzieht dann einen Theil dertelben in die Quere gegen das Aekerteld hin, wo sie, an ptähle gebunden, eine Art von Laube bilden. Die Dauer derPflanzungen richtet sich nach der Wahl der Stämme, an welchen die Neben erzogen werden. Eine Weidenptlanzung dauert in der Negel nur 20 Jahre,