26
G A R. I C U S
MUSCAaiUS.
liehe Quantitäten. Er stellt die Resultate seiner Versuche in folgenden Worten zusammen: „Diepathologischen Erscheinungen zeigten sich bei allcnUas) Thieren schon sehr bald,höchstens binnen \ Stunde, in den meisten Fällen schon während des Versuchs selbst. — Der Gradihrer Heftigkeit richtete sich nach der Grösse und Wiederholung der Gabe und nach dem Gradeder Saturirung der Schwammabkochung. Auch scheint es, dass die Warzen des Hutes am stärk-sten wirken, weniger dieser selbst, am schwächsten der Stiel. Bei kleiner" (vgl. oben u. Note 134)„Gabe oder sehr verdünnter Flüssigkeit blieben die Zufälle nur auf einem geringen Grade stehen:dieThiere wurden traurig, ihr Aussehen verrieth Missbehagen. Bei den meisten folgte Erbrechenoder häufige Darmausleerung, oder beides zugleich, wonach die Tliiere binnen *■ bis 1 Stundesich vollkommen erholten. Nur bei grösseren Gaben oder concentrirter Flüssigkeit folgten die hefti-geren Zufälle. Am schnellsten und heftigsten traten sie auf die Einspritzung ins Zellge-webe ein. — Als beständige Erscheinungen wurden beobachtet: Unruhe, Streben zu entfliehenoder wenigstens den Ort zu wechseln, Furcht, allgemeines Zittern, Schwindel, Trunkenheit, erweitertePupille, Trübung der Hornhaut, vermindertes und bald ganz aufgehobenes Sehvermögen, hervorge-triebene Augäpfel, endlich Stumpfheit aller Sinne, schnelles, schweres, gegen das Ende hin abersehr langsames, mühevolles Athmen, Unvermögen sich in der natürlichen Stellung zu erhalten,Zuckungen der Halsmuskeln, der Augenlieder, sehr bald eintretende Lähmung, besonders des Hin-tertheils und der hinteren Extremitäten. Weniger beständig waren: die vermehrten undunwillkührlichen Evacuationen" (Erbrechen, Durchfall, Hamen) „und der Speichelfluss. Am wenig-sten constant war eine der Betäubung vorausgehende Erhöhung der Empfindlichkeit, dieWasserscheu und der heftige Durst. — Der Tod erschien bald ruhig bald unter Convulsio-nen. Die Katze und die Hunde erlagen den allgemeinen Zuckungen; beim Hecht erschie-nen örtliche Zuckungen der Kiemendeckel, der Kiemenbögen und der Kiemenblättchen; bei derTaube, Schlange, den Fröschen weder allgemeine noch örtliche. — Nach dem Tode fandman bei allen Überfüllung der arteriösen und venösen Blutgefässe und der rechten Herzhälfte mitschwarzem Blut (nur bei dem einen Frosche war das Herz blutleer), so zwar, dass Blutextrava-sate bei der Taube im Rückenmarkkanal, bei der Otter in der Schädelhöhle und beim Frosche imKreuzbeinkanal entstanden waren; bedeutende Röthe der Bindehaut; Blutvölle der Respirationsor-gane, der Diploe, der Blutleiter des Gehirns, des Rückenmarkes, der Nieren, der Gekröse, derMuskeln, Hautdecken, Leber; Klebrigkeit und Schwärze des Blutes; grössere Röthe des Schleim-hautsystems (mit Ausnahme der Schleimhaut der Speiseröhre und des Magens bei der Katze); Her-vorgetriebenseyn der Augen; Zusammengezogenheit und Leere des Darmkanals (der nur bei derTaube und dem einen Frosche an einer Stelle viel Gallenflüssigkeit enthielt); Überfüllung der Gal-lenblase mit Gallenflüssigkeit; normale Beschaffenheit aller Nerven. — Weniger constantwaren: der Glanz der Augen, Röthung der harten Hirnhaut am Grunde der Hirnschale, der Mund-höhle und der Speicheldrüsen; das Blut bei den warmblütigen Thieren im halbgeronnenen, bei denkaltblütigen in ganz flüssigem Zustande; seröse Extravasate in den Höhlen, Aufgetriebenheit desBauches." — Auch die Rennthiere (welche überhaupt viel Pilze fressen) sollen durch den Fliegen-pilz eben so, wie wir es in Note 152 von Menschen angeben, zuerst aufgeregt, dann aber betäubtwerden und in tiefen Schlaf fallen; doch schade er ihnen weiter nicht; tödte man sie aber iu die-sem Zustande und geniesse ihr Fleisch, so erleide man dieselben Wirkungen < ] 36 >.( 137)
Auch bei Menschen sind zahlreiche Vergiftungsfälle beobachtet, von Vicat( 138) , Bnlliard,Paulet, DiiboisUs^ Vadrot( 140 >, Iiegnerdii), Roqucs u.A.( 142) . TodesfälleU*:» erwähnenlö-
(135) Dem ,,allen höchstens binnen | St." widersprechendes Vfrs. eigene Angaben beim 4ten, 5tcn und 9ten Versuch.
(136) Steiler Bcschr. v. Kamtschatka. Frkf. u. Lpz. 1774. 8.
S. 92,93.
(137) Schlegel, in Hufeland Joimb. 1822. Febr. 30, berich-tet auch von einer vergifteten Ziegcn-Heerde; aber es scheint in die-sem Falle keine genaue Untersuchung die Ursache des Erkrankenszuverlässig ermittelt zu haben.
(138) Hist.des plantes vinln. de la Suisse. Yverd. 1776. 8. (f)
(139) Flore d-Orlians, 163 (f).
(140) VadrOt Observation* stir Fempoisonnement p ar l es Cham-pignons etc. Diss. inaiig-. Par. 1814. 4. Als das 2te Corps der gros-sen französischen Armee 1812 vor Polozk in der Nähe grosser, pilz-reicher Nadclholzwälder lagerte, ereigneten sich bei den grossen-theils durch Hunger und anderes Elend geschwächten Soldaten zahl-reiche, auch häufig tüdtliche, Vergiftungsfalle, welche nach der An-