Druckschrift 
2 (1838) Kryptogamen
Entstehung
Seite
25
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Fliegenpilz.

25

dermassen: 1) er bleibt etwas kleiner, besonders der Stiel unterhalb des Rings kurzer; 2) LamellenStiel, Ring und die Lappen auf »lern Hute sind in der Regel rein weiss (während die von An. mu-scarius mehr oder weniger gelbein); 3) die Lappen auf dem Hut sind meist kleiner, zahlreicher,trockener, haften auch gewöhnlich etwas fester; 4) das Fleisch zeigt unter der Oberhaut des Hutskeinen oder doch nur einen blassgelben Saum; 5) die Wulst hat keine Schuppen(126). 6) der Stielist entweder gleichdick oder hat doch nur einen schwachen Knollen; 7) die Keimkörner sind beigleicher Länge weniger dick.« 137 )

Ich glaube nicht, dass auch noch andere Ämaniten mit dem Fliegenpilze verwechselt werdenkönnen. Jedenfalls würde zur Unterscheidung gegen solche der rothgelbe Saum, welchen der Hutdes Fliegenpilzes auf dem Durchschnitte zeigt (Taf.II. F.5), immer hinreichen.

C h e m i s ch e s. Eine Analyse von Vauquelin (s. Fechn. 133) scheint jetzt unbrauchbar. Schra-a er (i28) sagt:Das Gift scheint in der rothfärbenden Substanz zu liegen, welche man mit Wassernnd mit wasserhaltigem Weingeist ausziehen kann, die aber vom Äther nicht aufgenommen wird,Vögeln war sie tödtlich, sie konnten aber ohne Schaden von dem ausgezogenen, entfärbten Schwammgemessen, welcher ihnen in Wasser eingeweicht worden war." Sonder Zweifel schloss Schrader'srothfärbende Substanz das Letelliersche Amanitin (s.S.5) mit ein.

Wirkung. Unter allen Pilzen ist dieser am allgemeinsten als giftig bekannt und anerkannt« 129 ).Das Volk setzt ihn in manchen Gegenden Deutschlands und andrer Länder, frisch oder getrocknet,zerschnitten und mit Milch, seltener Wasser, eingeweicht hin, um die Fliegen zu tödten« 130 '. DieBeneimung biig-ayaric deutet an, dass er auch die Wanzen tödte; nach Kürodt (S.44) soll man zudem Ende die Aufenthaltsorte!' derselben mit der kleisterartigen Flüssigkeit, welche frisch zerdrückteund eine Zeitlang stehen gelassene Pilze geben, einigemal anfüllen und bestreichen« 131 ). Bul-Iiard ( Ven. 167) und Faulet haben in Versuchen an Hunden und Katzen die Giftigkeit erprobt.Fanlet rettete einen Hund, nachdem derselbe mehr als einen halben Tag gelitten hatte, durchBrechmittel. Bulliard sah alle seine Thiere binnen 6-10 Stunden sterben« 132 ). Roqucs vergif-tete 3 Hunde: einer wurde betäubt, schwach, erbrach sich nicht und starb; es fanden sich die Him-gefässe blutreich, die Magenhäute leicht entzündet. Ein anderer zeigte Schwindel, krampfhafteBewegungen, erbrach sich aber und erholte sich bald. Ein dritter, grosser Hund reagirte auf meh-rere Exemplare Avenig. Kronibholz, vergiftete 10 Thiere aus allen 4 Klassen der Wirbelthiere(1 Katze, welche zuerst eine starke Quantität der Abkochung überwand, 8 Tage später aber einergeringeren Dose erlag, 2 Hunde, 2 Finken, welche beide am Leben blieben, 1 Taube, 1 Coluber tes~sellatus Mikan., 2 Laubfrösche, 1 Hecht), von welchen 8 starben, theils durch Abkochungen inMilch, theils durch den ausgepressten Saft (die Taube und einen Laubfrosch durch Einspritzen desSafts ins Zellgewebe unter der Haut am Rücken« 133 )), immer durch verhältnissmässig« 134 ) ansehn-

(120) Dass sie sich bei Ag, pantherimis lostrennen lasse(Krombh.), ist nicht charakteristisch: es gelingt bei Ag. mttsca-rin-i eben so leicht.

(127) Ehe ich noch auf die Differenz der Keimkörner aufmerk-sam geworden war, sind mir wiederholt Exemplare vorgekommen,bei denen ich, der mir bereits bekannten anderen gewöhnlichen Un-terschiede ungeachtet, ungewiss blieb, ob ich sie für Ag. muscariusoder A.pantherimis halten sollte; soUtcn dies Übergangsexemplaregewesen seyn ?

(12S) In : Hermbstädt Bullet, d. Neuesten n. Wissensw'urd.Bd. 9. S. 3-10 Note.

(129) So dass bisweilen Vergiftungen durch andere Pilze aus vor-gefasstcr Meinung diesem zugeschrieben werden : KrOmDil. 11. 10.

(130) Nach ClusiUS (Bar. pll.hi.it. Fang-, pemic. Gen. XII. S p.4.) soll er zu diesem Behuf zu Frankfurt a. M. auf dem Markte feilgehalten worden seyn. Bei einem Versuche von KrombholZwurden Fliegen, welche einige Augenblicke an den Excrcmenton ei-ner durch Einspritzen von Saft des Fliegenpilzes ins Zellgewebe amRücken vergifteten Taube verweilt hatten, bald darauf rings herumtodt gefunden.

(131) Es fragt sich, wie viel bei diesem (schon von Linne, Sinns-ka «esapA30f, angegebenen) Mittel auf die Gährung zu geben.Auch dass es nölhig ist, die Applicationeinigemal" zu wiederholen,scheint nur eine schwache Wirkung anzudeuten.

(132) Er bemerkt, dass die Hunde den Pilz, wenn man ihnzerquetscht und mit ein wenig Butter einen Augenblick gebraten hat,begierig fressen. Die Hunde schienen ihm stärkere Schmerzen alsdie Katzen zu erdulden (vielleicht weil bei ihnen das Gesicht denSchmerz stärker ausdrückt", bemerkt Ascheison).

(133) Auch tetellier tödtete Frösche durch Einspritzen desSafts ins Zellgewebe; aber diese Versuche sind aus dem in Note 94angegebenen Grunde nicht beweisend.

(134) D. h. wenn man das Volumen eines Menschen und die Quan-tität von Pilzen, die einer etwa in einer Mahlzeit zu 8 j c h nehmenwiirde, mit dem Volumen jener Thiere und den ihnen dargereichtenQuantitäten vergleicht. Kiombholz s Gaben waren auch, theil»absolut, theils relativ, weit ansehnlicher als die unten zu erwähnen-den von Hertwig.

1>