Fliegenpilz.
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sei(!**), Vadrotd««), B©«ues( 146 >. Krombholzd«?). — Die Vergiftungsersclieinungen treten hiermeist früher ein als auf den Genuss von Ag. phallöides; nach Iretellier meist 1-2 Stunden nachdem Genüsse, doch, wie mehrere Krankengeschichten zu beweisen scheinen^ 48 ), auch bisweilen 6Stunden, ja * Tag. Im Allgemeinen sind es die der narkotisch-scharfen Vergiftungen, doch seltendie entzündlichen (heftige Schmerzen im Unterleibe, violente Ausleerungen), in der Rccl die nar-kotischen und iberhaupt Nerven -Zufälle (Betäubung, oft aber vorher grosse geistige und körperli-che Aufregung, Zuckungen p.p.) überwiegend. Das Erbrechen fehlt nicht selten und ist bisweilensogar durch Brechmittel schwer oder nicht hervorzurufen (vgl. Note 36). Der Tod, bisweilen un-ter Convulsionen, scheint in der Regel nach 12-48 Stunden, die völlige Genesung bisweilen sehrspät und alhnählig zu erfolgen. — Brauchbare Resultate von Leichenöffnungen habenwir noch nicht aufzuweisen^ 49 '.
Mehrere sibirische Völkerschaften ( lö °) (die Samojeden, Ostjaken, Tungusen, Jakuten, Juka°-i-rcn, Korjaken, Tschuktschen, besonders aber die Kamtschadalen) bedienen sich des Fliegenpil-zes < 151 ) neben dem Branntwein oder statt desselben, um sich zu erheitern, zu begeistern oder zuberauschen' 152) . — Oedmani 1 ") vermuthet, dass die alten nordischen Kämpfer, welche man
gäbe VadrOt's hauptsächlich Jen» Fliegenpilz zur Last fallen. Soglaublich dieser letztere Punct ist, so ist doch in keiner einzigen dervon Vadrot speciell mitgetheilten Beobachtungen der Flie-genpilz speciell beschuldigt, und es darf deshalb von diesen letzterenBeobachtungen keine mit Bestimmtheit auf den Fliegenpilz bezogenwerden (was einige spatere Autoren mit Unrecht thun), zumal da ge-wiss viele Militairärzte aus Wange! an vollständigerer Kenntniss derGiftpilze undan Zeit geneigt waren, alle Pilzvergiftungen dem in dieAugen fallenden Fliegenpilz zuzuschreiben,
(141) In Kausch Mcmorab. d. Hcilk., Staatsarzn. u. Thierheilk.IH. 3341F.
(142) Unter den Autoren, welche Vcrgiftungsfälle erzählen, wirdBuch Duiöur (in Gaz. de Sante, 21 Aoiit 1812, f) citirt, der eineVergiftung einiger Mitglieder seiner Familie und einiger Enten beob-achtet habe; aber es scheint mir bei dieser Geschichte, welche ich frei-lich nur aus Roq. 127, 128 kenne, gar nicht bewiesen, dass geradeFliegen - Pilze die vergiftenden gewesen.
(143) Wohl allzu skeptisch bemerkt Letellier! „Je ne con-naispas d-Observation qui constate que la mort ait ttv catisee \tarcette espece seitleS^
(144) S. 8S: 6 Litthauer, in der Gegend von Insterburg.
(145) I.E.W.; doch nur im Allgemeinen, denn namentlich seinevierte Beobachtung (von 4 Gestorbenen), w eiche von einigen späte-ren Autoren hieher gezogen wird, darf dies nicht, aus dem in Note 140angegebenen Grunde.
(146) S. 124. ,,La vetwe du czar Alexis.' 1 — Aus welcher(htclle'/
(14?) Ein alter Tagelöhner, welcher eine wässerige Abkochungvon 4 Fliegenpilzen als Hausmittel gegen eine langwierige üdematöscFussgcschwulst getrunken hatte.
(148) Ich sage — hier und in der Folge bisweilen — schei-nen, weil man, durch von den Autoren kritiklos auf einen gewissenPilz bezogene Fälle irre gemacht, wenn man am Ende nach mühsamerund auf Wochen oder Monate ausgedehnter Vcrgleichung der Oucl-len eine Anzahl solcher FäUe hat streichen müssen, oft nicht mehrmit Bestimmtheit angeben kann, was noch beniesen bleibe, was nichtmehr, man müsstc denn mit einer mehr als herkulischen Geduld dieganze Sichtungs-Operation noch einmal machen. So pflanzt sich dasUnkraut kritikloser t'ompilation olt unvertilgt durch aUe Folgezeilfort.
(149) Die Scction des in Note 147 erwähnten Tagelöhners zeigte(Krorrfbh. n. llu.d.TabeUc bei S. 15) Haut, Conjunctiva, Hirn,Rückenmark, Lungen, die sehr grosse schwarzbraune Leber, Nierenund Nebennieren blutreich; das ganze Venensystem von schwarzem,dicken Blute strotzend ; in den Hirnhöhlen und der Schädclhöhlc vielSei um; in Schlund, Speiseröhre, Magen und Dünndarm etwas Rö-
thung. Aber die Resultate dieser Scction sind etwas zweideutig, dader alte Mann anderweitig krank war. — Die Vadrotschen Autopsiendürfen, aus schon angeführtem Grunde, nicht hieher bezogen werden.
(150) Vgl. SteUer a. a. O.; (Georgi) Besehe aller Nationend. russ. Reichs. Erste Ausg. Petersb. 1776,77. 4. S. 78, 367, 28],321,329,352; Georgi Beschr. d. Russ. Reichs. III. 4. Königsb.1800. S. 1439; FalkBcytrr. z.topogr. Kenntn.d. Russ. Reichs. II.Peters!). 1786. 4. S. 279, 280; V. Langsdorf in Annal. d. Wetter-aucr Gcsellsch. f. Naturk. Bd. I. H. 2. S. 249 ff. (Krascheninni-kOWj der auch citirt wird, scheint nur Steller zur Quelle zuhaben.)
(151) Man hat Zweifei aufgeworfen, oh der sibirische, nament-lich der kamtsrhadaüscbe Fliegenpilz mit dem unsrigcti identischscy; aber der gebuckelte Hut und die gelblichen Blätter, welcheV. Langsdorf angiebt, und w eiche bei einigen jenen Zweifel er-regt haben, kommen ja auch bei unserem Fliegenpilz vor ; es scheintalso kein positiver Grund zu jenem Zweifel obzuwalten. — Wohlaber kann ich ein sehr gewichtiges positives Zeugniss für die Iden-tität beibringen: Hr. KlotZSCh nämlich hat mir mündlich mitge-theilt, dass er in Hrn. Hooker's Herbarium Exemplare des kamt-schadaiischen Pilzes, von V. Langsdorf selbst mitgebracht, gese-hen, dass auf seine Vermittelung Hr. Hooker eines dieser Exem-plare dem Kön. Herbarium zu Schöneberg bei Berlin abgetretenhabe, und dass diese Exemplare ganz mit unserem Flicgciipiiaübereinstimmen.
(152) Einige nähere Angaben über diese bemerkenswerte That-sachc stelle ich aus den in Note 150 citirten Autoren zusammen:
Die Kamtschadalen sammeln die Fliegenpilze gewöhnlich inden weissesten Monaten, Juli und August, und behaupten, dass die-jenigen, welche auf dem Stiel und in der Erde von selbst vertrock-nen, stärker narkotisch wirken als diejenigen, welche man frischsammelt und, an einem Faden aufgehängt, an der Luft trocknet.„Die kleineren, welche zugleich hochroth und mit vielen weissenwarzenförmigen Erhöhungen bedeckt sind, sollen weit narkotischerseyn als die grösseren blassrothen und mit wenigen weissen Pun-eten bedeckten" (Langsd. — Es läuft dies vielleicht bloss auf jün-gere und ältere Exemplare hinaus, obwohl rücksichtlich der War-zen KlOmbhOlZ's Erfahrungen damit übereinstimmen, vgl. S. 26).Selten wird der Pilz irisch gegessen, gewöhnlich vielmehr, getrock-net und einem Bolus ähnlich zusammengerollt (grössere Exemplarezu dem Ende zerstückelt), ungekäut verschluckt (gekäut soll erschädlicher seyn, Magenbeschwerden verursachen). Bisweilen wer-den gepulverte kleine Fische (Pors) dazu gegessen. Nachtrinkenvon vielem kalten Wasser soll die Wirkung erhöhen (?). Zuw ei-len wird der Pilz auch frisch gekocht in Suppen oder Saucen ge-gessen und soll dann weniger stark wirken. Man trinkt auch mitMilch oder Wasser, kalt oder durch Kochen, bereitete Auszüge, zuwelchen bisweilen noch die Blätter einer gewissen Epilobium- An
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