Druckschrift 
1 (1834) Phanerogamen
Entstehung
Seite
152
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

152

Papaver Somniferum.

dieselben zur Aufnahme und Assimilation desselben beitragen. Das Opian wirkt nacb Magcndic nur sclirstark, wenn es aufgelöst in den Organismus kommt, (so tödtete 1 Gr. desselben in Ol aufgelöst einen Hundnach 2'i Stunden) während es an und für sich wegen seiner Sehwerauflöslicbkeit nur schwache Narkoseherbeiführt. Sertürner glaubte auch die Mekonsäure für ein schreckliches Gift erklären zu müssen, alleiner wandte wohl ein unreines Präparat an, denn die reine Mekonsäure sowohl, als das Mekonsäure Natron)reiebte Sömmcrring bis zn 10 Gr. bei einem Hunde ohncErfolg, auch konnte Fcnoglio nach Applicationder Mekonsäure und des Mekonsaurcn Kali und Natrum keine giftigen Wiikungen wahrnehmen. Dafs dieflüchtige Opiumsubstanz, worauf Büchner aufmerksam machte, betäubend wirke, wird besonders dadurchnicht unwahrscheinlich, dafs im Orient Personen, die sich, so bei der Opiumbereitung, lange in einer mitOpiumdiinsten gesättigten Luft aufhalten, betäubt zur Erde fallen. Die Zahl der durch Opium herbeige-führten Vergiftungsfälle*) ist unberechenbar, besonders solcher, die bei Kindern vorfielen, denn abgesehendavon, dafs man den Mohnsaft und seine Bestandteile als Arzneimittel in zu grofsen Quantitäten brauchte,oder absichtlich damit vergiftete, so entstanden auch durch die in vielen Gegenden im Volke als Bcruhigungs-und Schlafmittel übliche Anwendung einer Abkochung unreifer Mobnköpfc manche Vergiftungen, wobei dieKranken oft nur mit Mühe gerettet werden konnten (wie iu einem von Wen dt ') in Kopenhagen beobachtetenFalle) oder selbst starben. Die Leichen von Personen, die an Opium starben, sollen lange warm bleiben,grofse Überfüllung der Gefäße, namentlich des Hirns zeigen, schnell faulen und übel riechen. Die grofsenFortschritte der Chemie haben auch die früher für unmöglich gehaltene Erkennung einer Opiumvcrgiflungauf chemischem Wege sehr mächtig gefördert. Ganz natürlich wird sich eine Opiumvcrgiflung leicht erken-nen lassen, wenn von den genommenen Opiaten noch Überbleibsel vorhanden sind, oder wenn die ausge-urochenen Excrcmeute den Opiumgeruch zeigen. Ist dies aber nicht der Fall, und gilt es somit die Conlcntedes Magens und Darmkanals zu untersuchen, so kann nur die Tendenz der Untersuchung dahin gehen, diedem Opium eigenthiimlichen Stoffe (Morphin und Mekonsäure namentlich) aufzufinden. Zu diesem Zweckewerden nach Lafsaignc die wässrigen Theile der zu untersuchenden Masse verdampft, diese dann in einenKolben gebracht, und einigemal mit heifsem Weingeist übergössen, damit derselbe das Morphium auflöse, diethierischen Substanzen aber abgeschieden werden. Der so erhaltene weingeistige Auszug wird dann filtrirtund zur Trocknifs abgedampft. Der durch Abdampfen erhaltene Rückstand wird mit Wasser und etwas Essig-säure versetzt, wodurch sich das etwa vorhandene Morphium mit Essigsäure verbindet und auflöst, währenddie etwa durch Alkohol aufgelösten Fettlheilc zurückbleiben. Hierauf wird die wässrige Auflösung filtrirtund langsam verdunstet. Fand eine Opiumvergiftung Statt, so bleibt Morphium aecticum in kleinen Prismenzurück. Das Morphium characterisirt sich durch seinen eigenen, bittern Geschmack, wird durch Atzammo-nium und Gallussäure aus der wässrigen Auflösung präzipitirt, während Alkohol das Präzipitat auflöst undSalpetersäure ihm eine rothe oder orangegelbe Farbe giebt. Nach einem andern Verfahren werden dieflüssigen Contenle von den festen gesondert, die festen mit verdünnter Essigsäure digerirt und die Flüssig-keiten, um das Morphium niederzuschlagen, mit Ammoniak versetzt, oder man kocht das Ganze mit Bilter-erdc. Der Niederschlag wird dann mit starkem Alkohol versetzt und daraus das Morphium kryslallinisch ge-wonnen. Nach Orfila und Lesieur kann man sogar aus Leichen mehrere Monate nach ihrem Tode dasMorphium krystallinisch darstellen. Man versichert auch, dafs ein Gran Opium sich in zwei Quart Wasserauffinden lasse; ja Schweinsherg will selbst noch die Gegenwart ¥0n 1 Tr. Tr. Opii simpler in 24 UnzenWasser erkannt haben.

Nutzen.

') Bibliothek for Läger 1822, Bd. 11.

') Mehrere an Menschen genauer beobachtete Vergiftungsfalle beschreibt Orfila (Tratte T. II. p. S6.J.