Druckschrift 
1 (1834) Phanerogamen
Entstehung
Seite
151
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Sclilafuiacliender Mohn.

151

anhaltenderem Gebrauche, ein Gefühl von Abspannung und verminderte Harn- und Stuhlausleerung. Wirddas Opium in gröfseren Quantitäten von 6 oder 8 Gran an, oder bei Kindern In noch viel kleineren Gabenapplicirt, so entstehen nach Maafsgabe der Dosis mehr oder weniger deutlich hervortretende Symptome ei-ner Vergiftung. Nach Orfila'), der die Erfahrungen, welche man bei mehreren Opiumvergiftungen an Men-schen machte, zusammenstellt, sind aber die Erscheinungen nicht immer dieselben. Einige Kranken deliri-ren, Andere verfallen in einem tiefen Schlummer, noch Andere bekommen Schwindel, zeigen Neigung zumSchlaf und gerathen in einen comatösen Zustand, aus dem sie jedoch durch eine starke Erschütterung aufeinige Minuten geweckt werden können.. Die Augen sind unheweglich T malt niedergeschlagen, die Pupilleist erweitert, zusammengezogen oder im natürlichen Zustande, die Iris unempfindlich gegen das Licht. DieMuskeln der Glieder und des Rumpfes befinden sich in einem erschlafften Zustande. Zuweilen herrscht einegänzliche Unbewcglichkeit. Ekel und wirkliches Erbrechen, so wie schweres oder unmögliches Schluckenwerden ebenfalls beobachtet. Vom Athemholen bemerkt man oft kaum etwas oder es erfolgt unter Beschwer-den und Röcheln. Im Pulse nimmt man eine grofse Mannigfaltigkeit wahr, nicht blos bei den einzelnen In-dividuen, sondern bei derselben Person nach den verschiedenen Epochen der Krankheit; zuweilen schlagendie Schläfenarterien heftig, doch nicht immer. Das Gesicht zeigt ein blasses, cadavercuses Ansehen und derMund erscheint selbst verdreht. Der Tod tritt unter Steigerung der genannten Symptome ein. Nach an-deren Angaben folgt auf den Genuss zu grofser Quantitäten von Opium vermehrte Wärme, Trockenheit derMuudhölc, der Zunge und des Halses, Röthung und Anschwellung aller Theile, besonders des Gesichts undder venösen Gefäfse, während der Blick wild und stier, der Puls schneller und härter, und das Athmenbeschwerlicher wird. Gleichzeitig entsteht Eingenommenheit des Kopfes, Schwindel, Neigung zum Erbrechen,oder wirkliches Erbrechen, Stammeln, Sprachlosigkeit und Sopor, der in Uncmpfindlichkeit und Bewusllosig-keit übergeht. Es tritt Schaum vor den Mund, der Puls zeigt sich unregelmäßiger, das Gesicht verzerrt sichkrampfbaft und endlich erfolgt unter allgemeinen Convulsioncn der Tod. Um zu wirken scheint aber dasOpium in den Kreislauf aufgenommen und resorbirt werden zu müssen. In die Arterien gespritzt äufsert esimmer stärkere Wirkung, als in die Venen gespritzt. In dem Mastdarm injizirt r reagirt es kräftiger*), alswenn man es in dem Magen bringt. Auch auf das entblöfste Zellgewebe applicirt, äufsert es schnell seineWirksamkeit. Injectionen in die Harnröhre dagegen wirken längsam und bei weitem weniger intensiv, er-fordern auch eine gröfsere Dose, um sich zu manifestiren. Wenn Opium- auf das entblöfste G«hirn gebrachtwurde, tödlete es nicht, auch hemmte es die Thäligkeit der Muskeln nicht, wenn man es darauf anwandte.Allgemein wird das Opium zu den narkotischen Giften gerechnet, Orfila dagegen meint, dafs es weder nar-kotisch, noch excitirend wirke, sondern ganz eigentümliche Erscheinungen hervorbringe. Die Wirkungendes Opiums hängen, so viel man bis jetzt weifs, von mekonsaurem Morphium, dem Opian und dem flüch-ti"eu Opiumstoff ab, Soll aber das Morphin wirken, so mufs es nach den Erfahrungen Serturner's,Orfila's und Sömmering's in Alkohol, Olivenöl oder Säuren aufgelöst sein, in welcher Form es schonzu einem Gran sehr starke Reactionen hervorbringt, während es im unaufgelösten Zustande in beträchtlicherMenge (bis 12 Gran und darüber) vertragen wird. Überhaupt aber scheint das Morphium als Salz der kräf-tigste Bestandteil des Opiums zu sein, und in dieser Wirksamkeit durch die Verbindung mit Stoffen, wiedie andern Bestandteile des Opiums sind, um so mehr in seiner Wirkung insofern unterstützt werden, als

') Traili T. IL f3. ed.) p. 100.

*) Für die starke Wirkung der Opiumklystire sprechen auch schon ältere Erfahrungen. Quarin (Anhnav. practp. 234) sah nach 1 Gr. Opium in 1 Klystier anfangende Lähmung. Colnnni (De isch. §. 342J sagt, Opium sei irKlvstiren wirksamer als iu einer andern Form, Nach Monro starb ein Kranker in Folge eines Klystiers, dem 4 GrOpium zugesetzt wurden.