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Oenanthe Fistulosa.
prozefs erfoh't im Wesentlichen wie beim Schierling. Die Cotylcdonen sind länglich-linienförmig, dieJVurzcl ästig-faserig. Das erste Blatt ist drcizählig mit fast rundlichen, Gederspaltigen, 2— 3-zäbnigenflachen Blättchen; das zweite Blatt ist einfach gefiedert mit mehr eirunden gefiedertzähnigen, flachen Blätt-cheu. Dann kommen einfach - gefiederte Blätter mit länglichen oder linienförmigen Blältchen.
Vaterland. Die röhrige Rebendolde findet sich in den meisten Ländern Europas, von Portugal ')bis Griechenland 2 ) und Ungarn *), und von Italien *) bis Schweden ! ), und dann in den dazwischen ge-legenen, wie Frankreich <), England 7 ), Deutschland 8 ), Schweiz '). — Standort. Stehende, flache Ge-wässer, Gräben und sumpfige Wiesen. — Blühezeit Juni, Juli. Fruchtreife August, September.
Eigenschaften. Der aus der Pflanze geprefste Saft soll einen scharfen und ekelhaften Geschmackund widrigen Geruch besitzen, doch fehlen uns bis jetzt noch chemische Untersuchungen.
Wirkung. Nach mehrern, von Gmelin I0 ) zusammengestellten, von Van der Monde "), Al-leyne I2 ) und Vacher 13 ) gemachten Beobachtungen bewirkte die röhrige Rebendolde, nach ihrem Genüssebei mehrern Menschen Zuckungen, Verdrehen der Augen, Kinnbackenzwang, Ohnmächten, schlagflufsähnlicheErscheinungen und seihst den Tod. Einen Vergiftungsfall mit der in Rede stehenden Pflanze bat umständ-licher Watson '*) beschrieben. Fünf Löffel des aus der Pflanze durch Auspressen gewonnenen, aus Irrthumvon einem kräftigen Manne genommenen Saftes bewirkten anfangs mehrmaliges Erbrechen und Stuhlgänge,dann entstanden Zuckungen und Verlust der Sinnesvermögen, welche beide lclztcrn Erscheinungen bis zumTode fortdauerten, der 3|- Stunden nach dem Genüsse des Giftes erfolgte. — Bei Personen, welche diesePflanze lödtete, sah Vacher an den Eingeweiden und am Blute keine Veränderungen, was allerdings, wieGmelin bemerkt, ihr den Rang mehr unter den narkotischen als unter den narkotisch-scharfen Giften anweist.Ganz neue Erfahrungen und Versuche fehlen freilich und werden um so nöthiger, da auch leicht eine naheverwandle Art, z.B. Oenanthebrocata, damit verwechselt werden kann. Indefs mufs bis zur gründlichstenvielseitigen Widerlegung unsere Pflanze noch höchst verdächtig bleiben.
Nutzen. In Cumberland sollen die Landleute nach Watson ' 5 ) den aus der röhrigen Rebendoldebereiteten Brei bei wundgedrückten Pferden örtlich anwenden. Auch soll das Kraut (Jlerba Ocnanthcsaquatieae oder Filipendulac aquaticae) von einigen Aerztcn als schweifstreibendes Mittel verordnet wor-den sein I£ ). Nach Einigen verschmäht sie das Vieh ganz, nach Andern aber soll sie von Rindern ohneNachtheil gefressen werden.
Erklärung der sechs und zwanzigsten Kupfer tafel.
Das ganze Gewächs in der Mitte des Stengels darchschnilten. — Fig. 1. Eine vergröfsertc zwitter-liche Blume. — 2. Eine zwitferliche Knospe (vergr.). — 3. Eine (männl.) Strahlblume (etwas vergr.). —4. Der Kelch einer Strahlblume (vergr.). — 5. Kronenblatt einer Scheibenblumc von der Seite (vergr.). —6. Kronenblatt einer Strahlblume von vorn (vergr.). — 7. Staubgefäfs von der hintern und S. von der vor-dem Seile gesehen. — 9. Die Drüse, welche unter den Griffeln ist, mit dem untern Theile der Griffel (ver-größert). — 10. Die Fruchtknoten der Länge nach durchschnitten, mit einem Theile der Griffel (vergr.). —11. Dieselben quer durchschnitten (vergr). — 12. Der Stempel nat. Gr. und 13. vergröfsert. — 14. Eine Achcnc
') Brotero Fl. Lusit. P. I. p. 421. — °) Smith Prodrom, ß. Graec. I. p. 195. — 5 ) Sadler Fl. Pestin. I.p 311; Endlicher Poson- I. p. 343; Baumgart. Enum. I. p. 239. — «) Pollini Veron. 1. p. 341. — *) Wah-lenb. Fl. Suec. 1. p- l^S. — 6 ) Decand. Fl. /rang. 3440; Merat nouv. Fl. des environs de Paris p. 114. —7 ) Smith brit. Fl. 317.— s ) Mert. u. Koch IL 414. Roth Enum. P. I. p. 94S. u.s.f.— 9 ) Gaudin Fl. Hebet.IL p. 356. — I0 ) Geschichte der Pflanzengifte, Ite Ausg. S. 250. — ") Journal de Medecine Vol. X. 175S. n. 4.S. 430. — IS ) Ketv english dispensatory. London 1733.— •») Acta. Helvet. Vol. IV. Basil. 1760. Art. II. S.Si. —>*) Philosophical Trailsact. Vol. L. 2. p. 856. Mitgctheilt wurde er auch von Gmelin a. a. O. und von Buchner,Toxkologie S. 258. — ts ) Ebend. Bd. XLIV. Th. 1. S. 233. — ") Gmelin a. a. O. S. 253.