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1 (1834) Phanerogamen
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Solanum Nigru

M.

Fall. Auch bei Hagen ') wird berichtet, dafs Kinder danach wahnsinnig werden. Dunal 3 ) sähe nachder Anwendung des Saftes aller Varietäten auf das Auge, die Pupille sich mehrere Stunden lang erweitern.Nach Pollini *) soll der Nachtschatten auch harntreibende Wirkungen haben. Orfila *) versuchte dasaus der frischen Pflanze erhaltene und im Marienbade abgedampfte wäfsrige Extract bei Hunden und schliefstaus den Resultaten *), dafs es wenig giftig sei, langsam absorbirt werde und die Sensibilität und Bewegungzerstöre. Das vorzüglichste Criterium für die unleugbare Wirksamkeit des Nachtschattens ist die Kraft desSolanins, welches schon in wenigen Granen, nach Desfosscs, bei Hunden und Katzen heftiges Erbrechenhervorbrachte, dem eine mehrstündige Schlafsucht folgte, und als essigs. Solanin schon zu* Gr. bei ihmselbst sehr starken Ekel erregte, so dafs es fast mit Opium verglichen werden könnte (Orfila). Übrigenswird von Vielen s ) versichert, dafs nicht allein die Beeren und die Blätter, sondern auch das von letztern ge-brannte Wasser den Schweinen, Kälbern, Enten und Hühnern tödtlich sei, und Linne sagt, dafs man Mäusedamit vertreiben kann. Schafe lassen den Nachtschatten unangerührt. Da dieses Gewächs so sehr gemeinist und.überall vorkommt, so verdient es also gegen die Meinung Derer, die es für unschädlich halten, grofseBeachtung,

Anwendung. Ehemals war das Kraut (herba Solani s. Solani vulgaris), und sogar noch dasdarüber destillirte Wasser (Aqua Solani nigri) officincll. Smith c ) sagt, dafs man 12 Gr. der getrock-neten Blätter gebe, um verschiedene Secretionen zu erregen. Gegen tollen Hundsbifs hielt man die Wurzelfür wirksam, und in Dalmaticn afs man das Gewächs in Butter gebraten, um besser danach schlafen zu kön-nen '); häufiger aber noch wendete man die Blätter äufserlich an, besonders bei Haut - Ausschlägen, Drüsen-anschwellungen, Wassersucht u. s. w. 8 ). Die Thierärzte gebrauchen das frische Kraut entweder gequetscht,oder den frisch ausgeprefsten Saft desselben äufserlich als kühlendes, schmerzstillendes Mittel bei Entzündun-gen, Augen- und Hautkrankheiten, so wie auch bei Krebsgeschwüren ').

Gegenmittel. Im Fall eine Vergiftung mit diesem Gewächse oder mit andern Solanaceen I0 ) vorfal-len sollte, räth Buchner kohlensaures Kali als das schätzbarste Gegengift. Als Liquor kann man es zu1215 Tr. alle halbe Stunde nehmen lassen.

Erklärung der neunzehnten Kupfertafel.

Das ganze Gewächs von der Varietät a) am Stengel durchschnitten (nat Gr.). Fig. 1. Eine ausge-breitete Blumenkrone (nat. Gr.). 2. Zwei Kronenblättchen mit der aufsitzenden Staubgefäfs - Säule (vergr.).3. Ein unaufgesprungenes Staubgefäfs von der äufsern, und 4. von der innern Seite gesehen, und 5. ein aufge-_______^___________ sprun-

»J Preufs. Fl, S. 184. *) a, a. O. p. 39. »; Flor. Veron. T. I. p. 257. *) T. II p. 190.*) Ein sehr starker Hund, welcher 1% Dr, erhielt, starb nach 48 Stunden, und ein kleine» Kaninchen, welchemman 2 Dr. davon auf das Zellgewebe des Schenkels applicirte, starb 46 Stunden darauf. Bei den Sectionen fandensich nur in den mit Blut angefüllten Lungen einzelne rothe Flecke, im Darmcanal aber nichts auffallendes.

! ) Schrober, Haller, Tragus etc. 6 ) Engl. Fl. Hagen Fl. Preufs. S. 184. «) Murray Vol. I.S, 623. ') C. Ratzeburg Handbuch der Zoopharmakologie, Berol. 1803 8. S. 123. Die Araber wenden denSaft gegen Verbrennungen an (Forsk. Agypt. p. 99.). I0 ) Von den bei uns einheimischen Solanaceen ist das übri-gens officinelle Solanum Dulcamara noch zu erwähnen, welches nach Desfosses aufser dem bittern Solanin auchnoch einen süfsen Bestandtheil (Dulcariii) enthalten soll. Von den reifen Beeren dieser sollen 30 Stück hinreichen, ei-nen Hund zu tödten (Ratzebnrg Zoopharm. S. 131.), Schlegel beobachtete einen jungen Mann, welcher nachdem er meh-rere Tage lang eine Abkochung der Bittcrsiifstengcl und endlich noch eine Unze des Extracts genommen hatte, alle Zu-fälle der heftigsten Narcose erlitt (Hufei. Joum. 1S22. No. 2. S. 27,). Von Vergiftungsfällen im gemeinen Leben istindessen nichts bekannt. Selbst die Blätter und Stengel der Kartoffeln (Solanum tuberosum) enthalten Solaninund sind sehr narcotisch. \ 2 Gr. dieses Solanins brachte narcotische Wirkungen hervor (Latham in Medic. Tran-sact, VI. 1820.). Ähnlich wirkt auch das weiCse, unangenehm riechende, scharf schmeckende Fuselöl des Kartof-felbranntweins (Pelletan im Joum. de dum. med. Fevr, 1825.). An vielen exotischen Arten der GattungSolanum hat man dieselben Eigenschaften, und noch in höhcrem Grade, beobachtet.