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1 (1834) Phanerogamen
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Veratrum Album. Weifser Germer.

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wo mehrere Personen wochenlang von einem mit Nieswurzel vermengten Brod gegessen hatten, schilderteman das Gefühl, als würden dem Kranken alle Därme in einen Knäuel verwirrt.*) Nach Ettmüller") solldie Wurzel, selbst äufserlich auf den Unterleib gelegt, Brechen erregen. Einige Schriftsteller sagen sogar,dafs das Schnupfen des Pulvers Abortus, Nasenbluten, Erstickung und plötzlichen Tod bewirkt habe. Diean Thieren sehr häufig angestellten Versuche bestätigen und erweitern das Gesagte. Orfila hat einigeangestellt, und die Versuche Emm ort's (in Schab el's Schrift =), Wepfcr's»), Courten's, Viborg'sund Scheele's gesammelt, welche mit Hunden, Kaninchen, Katzen, Kühen u. Pferden, ja sogar mit Falkenexperimentirten. So z. B. gab man einer Katze ein Clystir von \ Unze Tinctur, worauf das Athmen schwe-rer wurde, Schaum vor das Maul trat und nach einigen Stunden Emprosthotonus und Tod erfolgte. Beieinem andern Kaninchen war die retardirte Bewegung des Herzens und der Respiration sehr auffallend, undbesonders die verminderte Temperatur des Afters; 2 Dr. Tinctur auf das Zellgewebe der Bauchmuskeln ge-bracht, bewirkten naeh 27 Minuten den Tod. Selbst das Extract auf ganz isolirtc Muskeln gebracht, tödtele nach64 Minuten; auf Sehnen und Nerven blieb es aber wirkungslos; 1 Dr. Pulver mit Fett auf die Haut einesKaninchens eingerieben, bewirkte blos leichte Röthung. Einspritzungen in das Brust- oder Bauchfell und indie Luftrölirc tödteten meist sehr schnell. Sechs Gr. Extract in die Halsvene gespritzt tödteten ein Pferd schonnach einigen Minuten. Zum Vergleich hatte man 2 Hühnergeier: der eine bekam 1 Gr. des geistigen Ex-tractes und starb; der andere erhielt 2 Gr. des wässrigen Extractes und blieb wohl. Aufserdem ergab nachden Versuchen die Leichenöffnung eine Überfüllung der Gefüfse des Herzens mit Venenblut, eine nur geringeEntzündung des Magens ohne Geschwürbildung und eine besondere durch schwarze Fleckchen erzeugte Fär-bung der Lungen. Dieses Gift ist also nicht blos scharf, sondern auch narcotisch zu nennen. Ma-gen die *) vergleicht es mit dem Veratrin der Zeitlosen- und der Sabadillensamen.

Anwendung. Der medizinische Gehrauch der Nieswurzel ist, ihrer heftigen, schwer zu berechnen-den Wirkungen wegen, in neueren Zeiten mit Recht eingeschränkt. Man gab sie sonst**) in Wassersucht,Melancholie, Wahnsinn u. s. f. zu 6, 820 Gr. Magen die 5 ) gieht das Veratrin (zu ~- Gr.), um baldStuhlgang zu verschaffen. Müller 6 ) reicht das Pulver der Wurzel (zu | Gr. stündlich) im Krampfasthma.Auch Wendt, Hahnemann und andere wenden es noch jetzt an. Das Pulver der Wurzel wird auch alsLäusepulvc» angewendet, erfordert indessen auf wunden Stellen Vorsicht. Gegen Krätze rühmt sie auchRichter 7 ), welcher überhaupt die vollständigsten Nachrichten von dem Gebrauche dieses Mitttels giebt.Der schändliche Gebrauch, das Bier (Brausebüttel) damit zu verfälschen, ist wohl jetzt verbannt. 6 ) Unterdem Viehl'utter ist das Gewächs zu meiden, denn Rindvieh und Schafe hat man davon heftig erkranken und ster-ben seilen; indessen sollen dieEsel Blätter davon unbeschadet fressen, In Amerika weicht man Getreide, Samenund dergleichen in die Abkochung der Wurzel einer ähnlichen Art, um Mäuse u. s. w. damit zu vergiften.

Gegenmittel. Säuren, namentlich Tamarinden und Cremor Tartari thun herrliche Wirkungen.***)Eben so sind demulzirendc Getränke, laues Wasser mit Öl, so wie weiche Brühen, Carnpfer u. s. f., nach

) Ein Vergiftungsfall s. b. Hörn: Jrchiv. 1825. Maü Juni, S. 477.

l ) Colh'g. med. chir. p. 47S. 2 ) Differt. de effect. rad. Veratr. Tübingen 1817. 8. ') Cicut. a^uat.p. 219. *) Journ. de Phjsiol. expe--im. nr. 1.

") Nach Theophrast sollten die Weinstöcke, in deren Nähe Nieswurz wuchs, urinlreibeiiden Wein geben.Gcsner gab sie mit Essig und Honig, um die heftigen Wirkungen zu mildern.

5 ) Vorschriften ite Aufl. S. 61. 6 ) Hufel. Journ. B- Xth St. 1. £ 164. ? ) a. a. O. B. IL S. 393.8 ) Plaz de removend. sdnit- publ. impedim. p. 13.

***) Um zu prüfen, ob die als Gegengift empfohhien Adstringentia eines dänischen Arztes sich bewährten, liefsSchabel 3 Dr. Tinctur mit Galläpfel Infusum fällen und eine Katze nehmen; sie starb aber nach 20 Minuten.