W e i f s e r Germer.
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Die Samendecke stirbt bald ab und das Würzclchcn schiebt sich heraus, während sich der Coiyledonarkörperetwas verlängert. Das erste hervortretende Blatt ist fast stielrundlich und linienförmig, wie bei den Liliacccn.Im sweiten Jahre sieht man am jungen Pflänzchen ein linienförmig-längliches, an der Basis gescheidetes,ziemlich stumpf zugespitztes Blatt; welches auf einem kleinen, verdickten Wurzelstoek steht, der unten meh-rere Würzclchcn hat.
Vaterland. Portugal'), Frankreich 9 ), Italien, die Schwcilz»), Deutschland 5 ) (in den verschie-densten Ländern, z. B. Ostreich 6 ), Böhmen 7 ), Mähren 8 ), Schlesien'), Baiern, u. s. f.), Dänemark"),Schweden ' 2 ), Norwegen ' 3 ), Lappland ' 4 ), Pohlen ' 5 ), Ungarn, Siebenbürgen ' 6 ), Rufsland « 7 ), Sibirien ' ')und Griechenland' 9 ) (zumal auf dem Pindus).— Standort. Auf Bergwiesen, auf Bergen und Vorbergen,und zwar auf verschiedenen Bodenarten, z. B. auf Moorboden, Gneis, Glimmerschiefer, Grauwacke u. s. f.In Frankreich nach Decandolle in einer Höhe von 800—1600 Fufs. In Schlesien findet man es (und zwarnur die Varietät ß.) nach unseres Freundes Dr. Göppcrt gütigen, brieflichen Milthcilungen fast bis zueiner Höhe von 4500 Fufs und es steigt in Obcrschlesien bis 800 Fufs herab. In den Carpaten sah es Wah-lenb er«- in einer Höhe von 3100 Fufs. — Blühezeit. Juni bis August.
Eigenschaften. Die Wurzel des Germers hat im frischen Zustande einen widrigen Geruch undeinen scharfen, bittern, noch lauge nachher brennenden Geschmack. Durch das Trocknen verliert sich zwarder erstere, aber der letztere bleibt zum Thcil, und das verstäubende Pulver reizt heftig zum Niesen (daherAicsrvurzel). Nach Pelletier und Cavcntou 20 ) enthält sie: eine fette, durch Äther ausziehbare Materie[bestehend aus Ela'inc, Stearine und einer flüchtigen, nicht crystallinischen Säure (Sabadill- Säure)]; durchAlcohol ausziehbares, saures, gallussaures Veratrin und gelben Färbestoff; Gummi; Stärkemehl; holzigenRückstand. 2 ') Das Veratrin (Veratrium, Veratrine) ist dasselbe, wie in dem Sabadillsamcn [in welchemes zuerst entdeckt wurde und zwar von Pelletier u. Caventou, und gleichzeitig von Meifsner 22 ), nachwelchem es an eine eigene, der Apfelsäure ähnliche Säure gebunden sein soll] und in der Zeitlose, daherauch SahadUVm und Colcläcin genannt. Es ist ein gelblich-weifses, geruchloses Pulver, welches sehr star-ke« Niesen erregt, bestehend nach Dumas und Pelletier aus: Kohlenstoff 66,75; Stickstoff 5,04; Wasser-stoff 8,5-1; Sauerstoff 16,60. Es löst sich in 1000 Theilcn Wasser und schmilzt bei 50°C. zu einer wachs-ähnlichen Flüssigkeit, ist in kaltem Wasser fast unlöslich, in Alcohol aber leicht und in Äther weniger leichtlöslich, und erstarrt beim Erkalten zu einer durchscheinenden, gelben Masse.
Wirkung. Die ganze Wurzel wirkt, eben so wie das Veratrin, örtlich sehr reizend und entzündend,letzteres natürlich weit stärker, denn schon \ Gr. macht rciclilichc Öffnung und etwas mehr heftiges Er-brechen. Nach dem innerlichen Gebrauch der Wurzel sali man bei Menschen Brennen auf der Zunge, selbstAnschwellen und Lähmung derselben, Wundwcrdcn des Mundes, Speichclflufs, Krämpfe, Zusammenschnürendes Schlundes und Magens, so wie Entzündung und Brand dieser Theile entstehen, ja sogar Verzückungen,Ohnmächten, kalte Schweifte und Wahnsinn traten ein und dann apoplectischcr Tod. In einem Falle *'),
') Broter. Flor. Lus. T. L p. 604.— a ) Villars Dauph. T. IL p. 279.; DC. Synops. pl. ed. 1. p. 158.— *) SuterHelv. IL p. 294.; Stcudel et Höchst. F.num. p. 53.; Schleicher catal. etc. — s ) Roth, Mcrt. u. s. f. a. a.O.—«) Jacq., Schult, a. a. O. — 7 ) Prcsl. Flor. Cech. p. S2. — 8 ) VVahlenb. Fl- carp. p. 323. — 9 ) Fl. Siles. auet.Wimmer et Graboivsky T. I. p. 353. — ") Horncmann nomencl. jl. dem. p. 112.; Fl. dan. a. a. O. —I2 ) Wahlenb. ßor. suec. p. 663.; Hartm. Skandinav. Fl. p. 151.— ".) Gunuer norveg. n. 315.— '*) Wahlenb.Läpp, p.277. — ") Besser Galic. — ,6 ) Baumgart. Enum.— Transylv. I. p. 315.— I7 ) Mart. prodr. Flor.Mosq.p. 66.; Falk Rofs. topogr. 2. p. 269. — ">) Pall. it. sib. 3. p. 320.; Gmel. Fl. Sib. 1. p. 75. n. 46.— '») Smithprodr. ß. graec. Vol. I. p. 249. — so ) Ann. d- Chim. et de phys. T. XIV- p. 69. s. Gilb. Ann. ß. 65. £ 355. —Schweigg. n. J. d. Chem. I. S. 172. — Trommsd. N. J. V. 2. S. 92. — 2I ) s. auch Pfal'f Syst. d. mat. med.VIL S. 230. — «) s . Schweigg. Joarn. d. Chem. XXV. S. 377. etc. XXX. IL 2. — 23 ) s . Wagner in Hufel.Journ. B. 57. St. 1. 1S23. S. 124. —
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