Entzündende Gifte. 9
ätherische Ocle z. B. Ol. Menthae pip. u. s.w., dann Kaffee, Naphthen, Ammonium u. s. w.; äufserlich kalteUebergiefsungen des Kopfes uud der Brust, Haulrcitze und Vesicantia, Frottiren und Bürsten der Arme undder Schenkel, belebende Waschungen und laue Bäder, reitzende Fufsbäder und Clystire, namentlich aus Essigoder verdünnter Schwefelsäure. Collier') schlägt vor, Kopf, Nacken und Arme mit Dolichos prurienszu bestreuen. Bei drohender Apoplexie darf ein Aderlafs am Arm oder am Halse nicht versäumt, werden.und überhaupt ist der Blut-Andrang nach dem Kopfe zweckmäfsig zu mindern. — Zur Wiederherstellungdienen stärkende Mittel.
ENTZÜNDENDE GIFTE.*)
Eigenschaften derselben sind: Im Munde oder auf der Haut erregen sie eine starke Reitzung nndheftiges Brennen, worauf Entzündung und oft Blasenbildung, oder sogar Zerstöhrung der organischen Sub-stanzerfolgt. Geschmack scharf, oft bitter und eine brennende Hitze und grofse Trockenheit auf der Zunge u. imMunde zurücklassend. Die Zungenspitze bleibt starr und unempfindlich, und es folgt Speichelilufs. Wird das Giftverschluckt, so treten, nach der Menge, verschiedenartige Folgen ein. Gehört das Gift zu den heftig wirken-den, oder wurde es in sehr concentrirter Form verschluckt, so entsteht, aufser Brennen im Munde, aueh hef-tiges Brennen im Schlünde und in der Speiseröhre von Hitze und Zusammenziehungen begleitet. Kommtdas Gift in den Magen, so entwickeln sich hier alle Symptome der Entzündung, oder gar einer Corrosionund Zerstöhrung. Es entsteht ein heftiger, brennender, reifsender Schmerz, der auch die übrigen Theile desDaruikanals zu ergreifen pflegt, heftiger Durst, eine krampfhafte, von Würgen und Erbrechen, selbst zuwei-len blutigem, begleitete Zusammenziehung des Magens. Die örtliche Affcction wird bald zur allgemeinen:der Puls wird hart, ldein, schwach, zusammengezogen, zuweilen selbst unterbrochen; es entsteht ein entzünd-liches Fieber mit beschleunigtem und gehinderten Athem, die Kräfte sinken, es treten grofse Angst, Convul-sionen, Schluchzen u. s. w. ein, der Unterleib schwillt meteoristisch auf und es erfolgen sehr ermattende,blutige, aashaft riechende Entleerungen unter Stuhlzwang; auf der Stirn und deu Extremitäten bricht ein kal-ter Schweifs aus, die Gesichtszüge verändern sich, es fofgen Ohnmächten, und der Kranke stirbt gewöhnlichunter Nachlafs der Schmerzen beim eintretenden Brande unter gelinden Zuckungen nach 6— 24 Stunden. **)
Die Prognose richtet sich nach den im Allgemeinen angegebenen Bedingungen, nnd hier ist nur be-sonders zu bemerken, dafs der Ausgang meist tödtlich ist, durch Entstehung des Brandes. Zuweilen endet dieEntzündung auch mit Eiterung innerer Organe und tödtet dann erst nach längerer Zeit. Selbst aber auch beigünstigerem Ausgange erfolgt die Genesung langsam und die schmerzhaften Krankheits- Symptome können4 — 9 Tage andauern.
Der Leichenbefund zeigt die Organe, namentlich Magen und Darmcanal, welche das Gift berührte,mit Blut überfüllt, wund, cxulcerirt, mürbe, oder stellenweis gar brandig. Aufserdem finden sich Zusammen-schnürungen, z. B. an den Mündungen des Magens und im Darmkanal. Die Häute der letztern Organe zei-gen sich suweilen verdickt, faltig, hart, und nicht mit Schleim bedeckt. Die Schleimliaut des Darmkanalslöfst sich leicht, und häufig findet man Brandflecke in demselben zerstreut. Die Lungen haben ein schwärz-
*) Lond. Medic. and Phjs. Journ. März 182'2.
*) Der von Hartmann vorgeschlagene Ausdruck „entzündend" statt „scharf und ätzend" verdient wohl all-gemeinere Einführung, denn schar/ bezeichnet nicht hinreichend die Eigenschaften dieser Classe, und entzündendeGifte können in gröfseren Gaben und in concentrirterer Form ätzend, werden, und wiederum ätzende Gifte in kleine-ren Gaben wie scharfe Gifte wirken. Ferner ist die ätzende Wirkung nie ohne Entzündung,
**) Schneider (a. a. O. S. 138.) will die Wirkung davon ableiten, dafs der scharfe Stoff die Geflechte dessympathischen Nerven afficire, und dadurch Uebcrreitzung erzeuge.
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