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1 (1834) Phanerogamen
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Betäubende Gifte.

und Reizbarkeit bestimmen die Wirkungen. Nach kleineren Gaben folgt blofs meist angenehme Aufregung, anfangsder geistigen Functionen und Sinnesorgane, dann auch des Gemeingefiihls, nach gröfseren Gaben aber Einge-nommenheit d. Kopfes, Gefühl v.Trunkenhcit, Schwindel, Unruhe, Erbrechen, Verdrehen der Augen, Erweiterungder Pupille, dummer Blick, endlich Sinnestäuschungen, Betäubung, oft verringerte Sensibilität der Sinnesor-gane, Bewustlosigkeit und ein oft apoplectischer, durch Zuckungen, röchelndes, beschleunigtes Athmen Seh-nenhiipfen u. s. w. unterbrochener Schlaf, während bei dem allgemeinen Gesunkenseyn der normalen nervö-sen Aufregung auch die Säftemischung und die davon abhängigen Secrctionen, besonders die des Darmcanals,verändert werden, wodurch Trockenheit desselben, Hartleibigkeit u. s. w. entstehen. Oft finden sich dazunoch ein wildes oder ruhiges Delirium, Ekel, Neigung zum Erbrechen, Schwere im Magen, Zittern, Convul-sionen, Mundklemme, Lähmungen aller Art, besonders der Schenkel, und sogar Wasserscheu. Der Blut-umlauf wird beschleunigt, und der anfangs meist kleine Puls wird später voll und aussetzend. Der Tod er-folgt unter den [Symptomen eines Nervenschlages, und zwar nnter Convulsionen, die von unwillkiihrlichenAuslcrungen begleitet werden, oder nach sehr starken Gaben mit plötzlicher Atonie.

Den Leichenbefund prüft*) man besser durch die Sinnes-Anschauung als durch chemische Reagentien.Die Leiche geht bald in Fäulnifs über, besonders einzelne Theile, wie Leber und Milz. Die Augen bleibenmeist halb geöffnet. Das Gesicht ist gewöhnlich verzerrt, aufgetrieben und roth. Auf der Haut sieht manstellenweise grofse Flecken. Das Blut erscheint flüssig und aufgelöst, das der Herzkammer aber und derVenen oft gleich nach dem Tode coagulirt; besonders die Cefäfse des Darmcanals sind angefüllt, und nachOrfila sollen sich sogar zuweilen Verletzungen der Lungen, wie nach scharfen Vergiftungen finden. Die Ma-genmündung ist gewöhnlich verengert, und die Gedärme sind voll Luft und zeigen zuweilen aufgelok-kerte Stellen.

Die Prognosis bezieht sich auf das beim Allgemeinen gesagte, nur pflegt der Tod nach narkotischerVergiftung mehr unter Lähmungen des Gesammtorganismus einzutreten.

Die Behandlung richtet sich nach den im Allgemeinen angegebenen Hauptpunkten. Uebrigens istdie schnelle Entfernung des Giftes bei diesen, wo mehr das dynamische als chemisch-dynamische und me-chanische vorherrscht, und wo die Wirkung sehr schnell erfolgt, oft ohne Nutzen. Doch versäume man niedie Brechmittel, und zwar, da die Empfindlichkeit des Magens meist sehr abgestumpft ist, in grofsen Gaben;besonders rühmt man, wegen der Sicherheit ihrer Wirkung, das schwefelsaure Zink und Kupfer zu 1015 Gr.in Chamrllen- oder Fliederthee oder warmem Wasser aufgelöst. Die Spiefsglanz - Präparate wirken lang-samer und abführend, daher nicht so zu empfehlen. Wenn die Brechmitlei das Gift auch nicht mehr ent-fernen können, so wirken sie doch durch Erschütterung erregend auf die Nerven, auch ist der das Erbrechenerregende Ekel gewifs nicht gleichgültig. Befindet sich aber das Gift schon mulhmafslich im Darmkanal, sosind Abführmittel zu reichen, dazu räth Orfila Decocte von Scnna und Glaubersalz, mit Brechwein zumClystir. Von Neutralisirung eines betäubenden Giftes weifs die Chemie bis jetzt noch nichts dem Arzt nach-zuweisen. Es bleibt also nur übrig, der 3tcn Ileilanzcigc Geniige zu leisten, nemlich die Vergiftungssymp-tome zu beseitigen oder zu mildern. Hierzu dienen besonders Mittel, welche die krankhaft erhöhte Nervcn-Ihätigkeit herabstimmen, namentlich sind Pflanzensäuren dazu empfohlen, z. B. Essigsäure, Weinstein-, Ci-tronensäure und A r egetabilien **), welche dieselben enthalten. Man giebt sie zum Getränk mit Wasser. TrittTorpor ein, so Averden belebende Mittel innerlich und äufserlich erfordert: innerlich geistige Tincturen und

ätherische

*) Orfila will narkotische Vergiftungen dadurch entdecken, dafs die mit den entleerten Contentis bestrichenePupille bei Tliieren sich erweitert. (?)

**) Orfila (a. a. O- p. 114.) empfiehlt die Anwendung der Pflanzensäuren erst dann, wenn das Gift aus demKörper geschafft ist.