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1 (1834) Phanerogamen
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a n z e n

Gifte.

Weg Schaffung ist nur kurz nacli der Application des Giftes möglich, wenn dieses noch an einem erreich-baren Orte (z. B. im Darmkanal) verweilt, und zwar auf dynamischem oder mechanischem Wege: Im er-stem Falle sucht man das Gift durch Arzneymittel nach oben oder nach unten zu entleeren. Ycrmuthetman das Gift noch im obern Thcil des Darmkanals, so ist die Entleerung nach oben durch das Erbrechen(durch wirkliche Brechmittel oder durch mechanisch den Schlund reizende Mittel) vorzuziehen, welches amschnellsten wirkt, und dem Gift nicht Zeit läfst, weiter um sich zu greifen. Ist aber schou ein Uebcrgangdes Giftes in den uniern Theil des Darm-Canals anzunehmen, so mufs man Abführmittel reichen. Mecha-nische Mittel*) das Gift forlzuschaffen, sind künstliche Aufsaugungen desselben mittelst eigner Apparate, (Er-findungen der neuern Zeit) **) oder Abschneiden des vergifteten Theils. Die Unschädlichmachungkann auf chemisch-dynamischem oder mechanischem Wege geschehen. Durch die chemisch - dynamischen Mit-tel (neutralisircnde oder sogenannte Gegenmittel oder Gegengifte) ***) werden die schädlichen Eigenschaftendes Giftes aufgehoben und neue, unschädliche Verbindungen erzeugt. Sie müssen 1) rasch wirken, 2) aufflüssiges und festes Gift einwirken, 3) in grofser Menge gefahrlos anzuwenden seyn, 4) mit dem Gifte keinefür den Organismus nachtheilige Verbindungen eingehen, 5) bei einer dem Organismus entsprechenden Tem-peratur wirken, 6) weder durch Galle noch durch Schleim in ihrer Wirksamkeit gehemmt werden. Durchdie mechanischen Mittel kann man nur das Gift zcrlheilen, und seine Anhäufung in einzelnen Organendurch Verdünnung und Einhüllung verhüten.

Die Behandlung der durch das Gift erzeugten Krankheit bleibt uns übrig, wenn wir das Gift aufkeinem der genannten Wege mehr erreichen konnten. Da diese Krankheiten meist in ciaer allgemein - oderörtlich erhöhten oder verändertenGefäfsthätigkeit oder verändertenNervcnlhäligkeit, in Verbindung mit acecs-sorischen Symptomen, zu bestehen pflegen, so wird auch die Behandlung im Speciellen darnach eingerich-tet werden müssen.

PFLANZEN - GIFTE.

Kennzeichen ****) der Pflanzengifte lassen sich, wenn man sie von mineralischen und thierischen,ohne auf ihren Ursprung (von Pflanzen) zu achten, unterscheiden will, jetzt nicht angeben, höchstens kannman von ihnen sagen, dafs sie sich wie die animalischen, von denen sie sich durch die gröfserc Menge Koh-lenstoff unterscheiden, durch keine chemische Rcagcntien ausmitlcln lassen, welches letztere von den minc-

*) Die lächerlichste Cur dieser Art war sonst, den Kranken an den Beinen aufzuhängen; so soll Herzog .Al-brecht von Oestcrreich, auf diese Art behandelt, gcreltet seyn, indem das Gift zu allen Oeffnungcn des Kopfesherauskam. (? !)

**) Hieher Apparate von Dupuytren und Renault, von Inkes, Bush, Read und Sommcrvall (FroriepKot. Bd. VI. S. 160). Das Auspumpen geschieht, nachdem das Gift durch eine Menge Flüssigkeit: verdünnt wurde.

***) Diese Gegengifte, welche einige in Präservativa (Antidota) und wirklich Vergiftungen heilende(Alexiieria) unterscheiden, andere unter den gleichbedeutenden Namen Antidota, Airxfpharmaca, Alexitcria, 'J'he-riaca, Cardiaca etc. zusammenfassen, beschäftigten schon die Alten sehr. Heraclid v. Taren t gebrauchte meist Schier-ling, Molmsaft und Bilsenkraut (.Galen Ant'ul. II. 2. p. 867). Weniger Beachtung verdienten wohl die Kräuter desPetr. Abonensis (de venen. Mantuae 1472. 4.): Hypericum, Vincctoxicum, Enula, Dictamnus, Aristolochia, Lac-tucella, so wie der Bezor der Alten. Im Mittelalter wurden sie am häufigsten gebraucht, da selbst Päbste und Königevor dem Kelche und den geheiligten Hostien nicht sicher waren.

***) Characteristisch ist es, dafs eine ganze, grofse Classe von Giften die betäubenden dem Gewächsreichcigenthümlich angehört. Nach einigen sollen die Zufälle von scharfen Pffanzcngiften milder seyn, aber desto häufi-ger sollen sie Zuckungen in einzelnen Theilen, besonders im Gesicht, hervorbringen; auch Oeffnungcn im Magen sol-len nicht danach gefunden werden, indessen giebt auch dieses keine sichere Zeichen.