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1 (1834) Phanerogamen
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Einleitung. 3

kann man auch von einer wahren. Verbreitung des Giftes durch den ganzen Körper sprechen, die nicht im-mer nöthig ist. Danach tritt die Wirkung schneller oder langsamer auf. Emmcrt läfst weder die Nervennoch die einsaugenden Gefäfse bei der Verbreitung des Giftes Theil nehmen, sondern blofs die durch dasBlut aufgenommenen Gifte auf das Rückenmark wirken. Eben so Mayer. T ) Nichts vergiftet, mitwenigen Ausnahmen, in allen Fällen, in jeder Gabe und in jeder Verbindung, alle Arten von Geschöpfen,oder umgekehrt Für Papageien z. B. ist Petersilie Gift. Ueberhaupt verändern Alter, Constitution, nüch-terner oder voller Magen, ja selbst der Applicationsweg und die Gewohnheit die Wirkung des Giftes. Man-che Gifte wirken nur auf Wunden, z. B. Schlangengift. Die Wirkung der Gifte beruht allein auf Er-fahrungen, welche entweder an Vergifteten, an Selbstmördern, an Verurtheilten, oder wohl gar von einzelnenWifsbegierigen an sich selbst oder an Thiercn gemacht wurden. B )

Allgemeine Erscheinungen der Vergiftungen sind: Veränderte Thätigkeit des Nervensystems, alsSchwindel, Betäubung, Schläfrigkeit, Raserei, Irrereden, Lähmungen u. s. f. Ferner zeigen sich: widerlicherGeruch, säuerlicher, alkalischer, scharfer oder bitterer Geschmack, Zusammenziehungcn des Schlundes, livides,citronengelbes, weifses, rotlies oder schwarzes Anschn des Zahnfleisches, übel riechender, erschwerter Athem,gestörter Kreislauf, wobei der Puls klein, oder stark und unregelmäfsig ist, vermehr! c oder verminderte Tempera-tur desKörpers. Aufserdem zeigen sich auch, als Entzündungs-Symptome, Hitze, heftige, brennende Schmerzenim Schlund und Magen, vermehrter Durst, der durch das Trinken wohl gar noch vermehrt wird. Hierzukönnen nun noch übermäfsige Kälte oder Wärme an den Extremitäten, kalte, klebrige Schweifse, schwierigesHarnlassen, vermehrte Se- und Excretionen (Erbrechen, Durchfall u. s. f.), Zittern, Schwäche, Verlust derSinnesanschauungen, Prostration aller Kräfte, Alteration der Stimme und tödtliche Krämpfe treten. Die Lei-chenöffnungen zeigen nicht immer wahrnehmbare Symptome, eben so wenig die äufsere Besichtigung derLeichname. Vcrmuthung einer Vergiftung entsteht aus der Aussage des Kranken, oder seiner Umgebun-gen, aus einem vielleicht noch vorhandenen Antheil der von ihm genossenen Sioffc, aus der Untersuchungder von ihm gebrauchten oder in seiner Nähe befindlichen Geräthschaftcn, aus den von ihm ausgeleertenMassen (Darm- oder Magen-Contentcn), aus seinen Nahrungsmitteln, seiner Beschäftigung u. s. w. *) Ue-berhaupt erregt jeder plötzliche Eintritt jener Erscheinungen den Verdacht einer Vergiftung. Doch mufsman dabei in Erwägung ziehen, dafs es Krankheiten giebt, die ähnliche Symptome wie manche Vergif-tungen hervorbringen (Cholera, Blutbrccheu u. s. f.), die aber auch von gewissen Vergiftungsarten her-rühren können.

Die Prognose der Vergiftungskrankheften richtet sich nach der (palliativ- oder quantitativ-schädli-chen Substanz, nach der Constitution, dem Aller, der Reizbarkeit, dem Applications-Wege, der Dauer, fer-ner darnach, ob das Gift rein oder gemischt genommen oder beigebracht wurde. Die Vergiftung endet ent-weder durch schnellere oder langsamere Wiederherstellung der Gesundheit, mit oder ohne Crise oder Lyse,mit zuweilen lebenslänglich bleibendem Siechthum, oder mit dem Tode. Letzlerer erfolgt oft nach dem Auf-hören der Krankheitssymptome, beim Eintritt von Brand oder Lähmungen des Gesammtorganismus.

Die Behandlung zielt entweder unmittelbar auf das Gift selbst, oder auf die durch dasselbe er-zeugte Krankheit.'

Sie geschieht durch Wegschaffung oder durch Unschädlichmachung des Giftes. Die

') Schneider a. a. O. S. 129. 5 ) Gesner experimentirte an sich selbst und an Hunden.

) Die Alten sahen bei Leichen, ob Schaum vor dem Munde war, und ob sie Flecke hatten, prüften ferner dieVerbrennlichkeit des Herzens (Ueber diese Verbrettnlichkeit d. H. s. Sueton. Calig. c. 1.; Plin. /. XI. c, 37. sect. 71.)u. s. w. Cicero (ad Herenn. II. 5.) sagt:Si tumore et livore decoloratum est corpus mortui significat eumveneno necatum. Galen (Loc. äff. VI. 5. ed. Chart. T. VII. p. 520.*- De Simpl. med. L. 111. c. 18,) hältdunkle Flecken für wichtig.

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