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1 (1834) Phanerogamen
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Pflanz

e n

-Gift

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rauschen Giften nicht gilt. Es giebt keine sichere Merkmale, wodurch man giftige Pflanzen von nichtgiftigen unterscheiden könnte, wenn man nicht ihre Wirkung wüfste. Denn der Ausspruch der Schriftstel-ler, J ) dafs man die Pflanzen für verdächtig halten müsse, deren äufseres Ansehen widrig nnd unangenehmsey, deren Blumen matt, schwarzblau, schmutziggelb oder bräunlich wären, und deren Oberfläche ein stin-kender Kleber bekleide, und welche den Lnflkrcis um sich her mit unangenehmem, betäubenden Geruch er-füllten, hat keine Gültigkeit. Denn nicht alle bis jetzt bekannt gewordenen Giftpflanzen zeigen diese Ei-genschaften, und wiederum finden sich diese an Pflanzen, die gleichwohl nicht giftig sind. Einigcrmafsendurchgreifend, wenigstens für eine Art von Giften, möchte der betäubende, widrige Geruch seyn, der sichohne Ausnahme bei alles betäubend und lähmend auf den Organismus einwirkenden Pflanzen findet. Auchdie Meinung mancher Schriftsteller, dafs der Abscheu gewisser Thicre vor gcwissenPflanzen, diese letztere als giftigbezeichne, ist werlhlos, da ein Gewächs für gewisse Thicre unschädlich, für andere und für den Menschen abergiftig ist, und umgekehrt. Es bleibt also kein anderes Büttel übrig, als die Gesammtbildung der uns er-fahrungsmäfsig als giftig bekannten Pflanzen aufzufassen, d. h. durch Hülfe der wissenschaftlichen Botanikuns ihre Kenntnifs zu verschalen.

Die Eigenschaften der giftigen und unschädlichen Gewächse sind indessen nie so scharf gesondert,sondern die giftige Wirkung hängt nur von der gröfseren oder geringeren Anhäufung des einen oder des an-dern auf Organismen nachtheilig einwirkenden Stoffes oder mehrerer ab, die sich aber auch bei «schädli-chen Pflanzen, jedoch in geringerer Menge, finden können, ohne schädlich zu wirken. Diese Stoffablagcrungkann nun entweder vorzugsweise in gewissen Theilen der Pflanze, z. B. blofs in der Wurzel, oder in denFrüchten u. s. w. geschehen, oder sie kann nur zu gewissen Jahreszeiten der Pflanze eigentümlich seyn:So enthalten die Drnpaceen (Kirschen und Pflaumen) in ihren Samen die meiste Blausäure, weniger in denBlättern und noch weniger in den Blumen, während ihre saftigen, geschätzten Fruchthüllen ganz unschädlichsind. So soll die Wurzel der Herbstzeitlose nur zum Anfange des Sommers, und die zweijährige Pastinak-wurzel im Frühling giftig seyn. Eben so findet sich der betäubende Stoff in den Pflanzen zu gewissen Epo-chen ihres Lebens, z. B. in manchen beim Blühen oder kurz vor demselben, sehr reichlich, während er zuandern Jahreszeiten in geringer Menge vorhanden ist. Es scheint also die Bildung und Ablagerung giftigerStoffe, in gröfsercr Menge, bei vielen Pflanzen das Producl einer periodischen Lcbcnsthätigkcit zu seyn,während wir sie freilich bei andern Pflanzen das ganze Jahr hindurch finden, z. B. in den Wolfsmilcharien.

Die Stoffe selbst, durch welche die Pflanzen giftig werden, sind sehr verschiedenartig. Man mufsflüchtige und fixe Giftstoffe annehmen. Zu den flüchtigen gehören namentlich manche betäubende undviele scharfe Stoffe, Avclche meist nur der lebenden Pflanze eigen sind, und mit dem Trocknen derselben ver-schwinden. Zu den fixen gehören namentlich die neu entdeckten Alkalo'ide. wie Morphin, Slryclmm u. s. w.(s. unten), so auch einige Säuren, wie Blausäure, mehrere harzige-, Extractiv- uud Färbcstüffe, und Oele.Im allgemeinen äufsern die Alcalo'ide sich mehr als narkotische, die Säuren, Harze, ätherischen Oele u. s. w.sich mehr als scharfe Stoffe, mit Ausnahme der Blausäure. Oft sind aber mehrere dieser Giftstoffe in einerGiftpflanze, und veranlassen eine doppelte Wirkungsart, z. B. dafs sie zugleich mit der narcotischen Wirkungauch die Eigenschaften scharfer Gifte zeigen.

Die Eintheilung der Pflanzengifte hat den Toxicologcn aller Zeiten Schwierigkeiten gemacht. Eineder ältesten Einteilungen ist die in

a) Narkotische, b) Scharfe, wozu Spätere noch c) Narkotisch-scharfe setzten.

') Gmelin Allgcm. Gesch. d. Pflanzengifte 2te Ausg. Kiirnh. 1S03 8.